close
Sports Medicine

Verletzungsstatistik führen im Athletiktraining

Bildschirmfoto 2018-10-30 um 18.18.37

Wir sind heute schon in Teil 6 der Serie „Die 15 Performance Tools“.

Die letzten 5 Tools haben von der Leistungssteigerung gehandelt. Heute geht es um das Thema Verletzungsprävention, also Availability, Spielerverfügbarkeit. Warum mir das Wort „Spielerverfügbarkeit“ besser gefällt als Verletzungsprävention, ist, weil ein großer Teil – nicht der größte Teil, aber ein großer Teil von allen Spielerausfällen gar keine Verletzungen sind, sondern auch einfach Sachen wie Erkältung, Grippe, Magen-Darm-Trakt-Infektion und Gehirnerschütterung.

Da kann man sagen, das ist eine Verletzung, aber das ist keine muskuläre Verletzung. Also nur Verletzungsprävention würde dem ganzen Thema in seiner Komplexität nicht gerecht werden. Klar ist es etwas, was wir als Athletiktrainer nicht unbedingt im Griff haben, was das Thema Erkältung und Grippe angeht, aber es geht darum, dass wir als Team hinter dem Team gemeinsam es auch schaffen, auch diese Sachen in den Griff zu bekommen. Aber der einfachste Weg Spielerausfälle zu minimieren, ist keine Trainingsbelastung zu haben, einfach nicht zu trainieren. Und deshalb ist halt dieses Verhältnis zwischen Leistungssteigerung und Spielerverfügbarkeit das Interessante, weil die Teams, die es schaffen, eine richtig gute Leistungssteigerung zu bekommen und dazu braucht man harte Trainingsbelastung, dafür braucht man Trainingsintension – das haben wir in den ersten 5 Tools besprochen – und die es schaffen, das hinzubekommen und gleichzeitig aber noch möglichst wenig Spielerausfälle zu haben – das ist der Sweet Spot. 

 

 

Wir wollen heute über das erste Tool sprechen im Bereich Availability und das ist sicherlich ein Injury Report, also eine Statistik über die Verletzung, weil sonst haben wir nichts, worüber wir reden können. Ich habe schon so viele Athletiktrainer getroffen, die mit mir über Verletzungsprävention sprechen, sprechen wollen, oder wir sind in Gesprächen über Verletzungen und meine Frage ist halt: „Ok, wie viele Ausfälle hattet ihr  denn letztes Jahr? Wie viele Ausfalltage hattet ihr? Wie viele Ausfalltage hatte eure durchschnittliche Verletzung? Wie viel Prozent eurer Ausfalltage waren denn Muskelverletzungen? Wie viel Prozent eurer Ausfalltage waren Erkältungen und Grippe? Was ist denn eigentlich die Situation? Ist es eine Erkrankung oder Verletzung, die zu den meisten Ausfalltagen geführt hat?“, und dann können wir halt über nichts reden. Wir haben keine Kommunikationsgrundlage. Und wenn wir auch das Verhältnis oder die Zusammenarbeit zwischen Physiotherapie, Arzt, Coach und Athlet optimieren wollen – was ja auch immer das Bestreben ist – wo jeder Athletiktrainer genau weiß, was für ein Spannungsfeld das ist, brauchen wir doch erst mal etwas, worüber wir sprechen können, wo wir sagen können: „Hey, da läuft es gut, da läuft es nicht gut“, und die Verletzungsstatistik ist die absolute Basis in der Verletzungsprävention.

Alleine dadurch, dass man die Verletzungsstatistik führt, hat man schon weniger Verletzungen. Ich garantiere es euch. Das ist genauso wie mit eurem Konto. Wenn ihr jeden Tag auf das Konto schaut, werdet ihr mehr Geld haben, als wenn ihr nicht auf das Konto schaut, weil ihr vielleicht Angst habt, zu sehen, was da abgeht. Einfach jeden Tag auf das Konto schauen, ist eine der besten Strategien, um mehr Geld zu bekommen. Und genauso ist es, jede Woche in die Verletzungsstatistik reinzuschauen und mit allen Beteiligten darüber zu kommunizieren. Das ist das erste Tool, was man installieren sollte, wenn es um die Verletzungsprävention geht. Und die Verletzungsstatistik ist vor allen Dingen ein Kommunikationskatalysator. Wir haben die Kommunikationsschnittstellen zwischen Athletiktrainer und Athlet, zwischen Athletiktrainer und Physio, zwischen Physio und Arzt, zwischen Athletiktrainer und Arzt. Das sind alles Kommunikationsschnittstellen. Und ein Datensatz wie eine Verletzungsstatistik, die aktuell geführt wird, ist ein perfekter Katalysator. Das bringt die Gespräche sofort in eine sinnvolle Richtung. Wir sagen: „Hey, lasst uns mal über die Verletzungsstatistik reden. Lasst uns mal über die letzte Woche reden. Lasst uns über die letzten Monate reden. Lasst uns mal kucken, wo wir jetzt stehen im Vergleich zu dem, wo wir letztes Jahr zu dieser Phase standen. Was sind deine Ideen, wie wir da rauskommen oder wie wir diese Situation verbessern können?“, also das ist ein Kommunikationskatalysator. 

Ich habe mit meinem Team zusammen vor einigen Jahren mit der Berufsgenossenschaft zusammen eine Vorlage entwickelt, um eine adäquate und eine gute Verletzungsstatistik zu führen. Und das Spannende an dieser Vorlage ist halt, dass die ganzen Kategorien, wie man eine Verletzung einteilen kann, sehr, sehr einfach per Dropdown in einer Exel-Datei geführt werden. Ihr müsst also im Endeffekt nur, wenn eine Verletzung, ein Spielerausfall da ist, Spielername und dann klick, klick, klick die verschiedenen kategorischen Fragen beantworten. War es eine Muskelverletzung? In welchem Areal des Spielfeldes ist es passiert? Es gibt verschiedene Statistiken für Eishockey und Fußball. Zu welcher Zeit im Spiel ist es passiert? War es eine Training- oder Spielverletzung? Und so könnt ihr halt eine gute Statistik darüber führen. Dieses Ding habe ich mit der Berufsgenossenschaft in meinem Team vor einigen Jahren entwickelt und hier unten, in der Beschreibung des Videos, ist der Link zu dieser Verletzungsstatistik. Und es ist sogar so, dass wenn ihr diese Statistik mit eurem Team einreicht – also wenn ihr ein Profiteam seid – dann kriegt ihr sogar Geld von der Berufsgenossenschaft zurück.

Diese Daten werden komplett anonym behandelt und ich bin auch hier überhaupt gar nicht dafür da, für die Berufsgenossenschaft irgendeine Werbung zu betreiben. Darum geht es mir gar nicht. Ich will nur sagen: Wenn ihr diese Vorlage benutzt für die Verletzungsstatistik, die ich für sehr, sehr gut erachte, die wir zusammen entwickelt haben, habt ihr auch einen zusätzlichen Benefit, dass euer Club noch Geld zurückbekommt, wenn diese Daten halt anonym eingereicht werden. Also da müssen auch gar keine Namen drin gespeichert werden. Und das Spannende ist halt: Dadurch, dass es dieses Ding halt seit einigen Jahren gibt, bin ich halt in der Lage, mit Team, die diese Vorlage benutzen, zu kommunizieren und zu sagen: „Hey, zeig mal her. Wie sah es bei euch aus im letzten Jahr? Wie sah es bei uns aus im letzten Jahr?“, natürlich alles anonym. Es geht nur darum, zu sagen: „Wie viele Ausfalltage habt ihr über Muskelverletzungen? Wie viele Ausfalltage habt ihr über Gehirnerschütterungen? Wie managet ihr die? Wie habt ihr es geschafft, eure durchschnittlichen Ausfalltage von der Gehirnerschütterung von letztes Jahr 40 Tage auf dieses Jahr 20 Tage runterzubringen? Was habt ihr gemacht? Was ist passiert? Was glaubst du, woran das liegen kann?“

Also Tool Nummer 1 auf jeden Fall eine Verletzungsstatistik, die adäquat geführt wird, dient als Kommunikationskatalysator und dient für uns alle, um zu checken: Machen wir wirklich Fortschritte in dem, was wir tun? Und nochmal das letzte: Wie beim Konto – alleine nur dadurch, dass wir es führen, haben wir schon einen riesen Teil dafür getan, dass wir  Ausfallrisiken minimieren, genauso wie wir beim Konto jeden Tag draufkucken. Das ist der erste Schritt, um mehr Geld auf dem Konto zu haben. Morgen Tool Nummer 2 und da geht es um Bewegungseffizienz. Also bis morgen. Tschau. 

https://www.alloutperformance.de/events/

https://www.alloutperformance.de/injuryreport/

Tags : athletiktrainingVerletzungspräventionVerletzungsstatistik

Leave a Response