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Sports Performance

Program Design im Athletiktraining

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Heute Tool Nummer 5: Program Design in der Trainingsplanung. Und da möchte ich heute eigentlich nur über – weil das auch so ein riesiges Feld ist – ein paar kleine Bausteine sprechen. 

 

Trainingsprogramm

Das erste ist: Wir fangen nicht mit dem Programm an, sondern eigentlich ist das Trainingsprogramm, der Trainingsplan das Resultat daraus, dass der Athlet „um unsere Hilfe bittet“. Also wir haben in Tool Nummer 4 über das Thema Goal Setting und Verbindlichkeit gesprochen. Und in diesem Kontext geht es auch viel darum, mit dem Spieler darüber zu sprechen: „Ok, was musst du denn dafür tun? Wir haben diese 2 Ziele, die wir zusammen definiert haben. Du, der Head Coach, der Sportdirektor war mit dabei und wir haben gesagt: Hey, das sind die beiden Dinge, die du brauchst, damit du in dieses taktische System am besten reinpasst und unsere Chance, das Spiel zu gewinnen, maximieren kannst. Was glaubst du denn, was du dafür tun musst?“, und oft hat ein Spieler eine gute Idee darüber. Er weiß zum Beispiel: „Ok, die Trainingsform in der Vergangenheit hat mir richtig gut geholfen, um eins dieser Ziele oder beide Ziele zu erreichen“, dann sind wir auch die Ersten, die sagen: „All right. Gut“, außer wir haben irgendwelche krassen Gegenideen davon. Wenn ein Spieler Erfahrungen gemacht hat, dass das die Trainingsform ist, die ihn schnell zum Ziel bringt, dann kann man damit zumindest für den ersten Trainingszyklus auch schon mal grob beginnen, wenn es nicht irgendwie komplett konträr ist gegenüber dem, was der Rest des Teams macht, wenn das philosophisch gar nicht reinpasst oder wenn wir irgendwelche krassen physiologischen Gegenargumente finden. Es ist also eher so ein gemeinsames fast schon Hin und Her. Also erstmal ist die Frage, wo wir sagen: „Hey, was musst du denn dafür tun?“, und der Spieler sagt dann: „Hey, das und das habe ich in der Vergangenheit getan“, aber oft kommt auch sofort die Frage: „Was sagt ihr denn dazu?“, und daraus entsteht dann dieses Gespräch. Und das Wichtigste ist, dass wir klarmachen: Wir zwingen niemanden, dieses Trainingsprogramm zu machen. Wir machen dieses Trainingsprogramm, weil es unsere beste Lösung ist und der Spieler uns als gute Lösung dafür hält. Wenn der Spieler nicht daran glaubt, dass dieses Trainingsprogramm ihn besser macht, dann sind wir auch die letzen, die ihn wirklich konsequent dazu zwingen, sondern es ist immer ein gemeinsames Miteinander – auch im Team Setting, auch wenn es da natürlich noch einige Limits gibt, was so die Teamdynamik et cetera angeht, aber da hatten wir eigentlich seltenst Probleme. Es geht also darum, gemeinsam zu sagen: „Hey, du musst es erreichen. Wir helfen dir, aber wir zwingen dich nicht, das zu machen, weil wir sind ja auch die letzten, die 100%ig wissen, dass das auf jeden Fall zum Erfolg führen wird“. Jeder Athlet ist komplett individuell und unterschiedlich und wir beanspruchen für uns nicht – und ich auch gar nicht – zu wissen: „Das ist jetzt das, was auf jeden Fall dazu führt, dass du nächstes Jahr oder nächsten Monat 5cm höher springst“, ich habe keine Ahnung. Ich habe gewisse Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen können. Dabei kann ich dir helfen, aber wir haben nicht die 100%ige Antwort. Ich finde, das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema, weil das wichtig ist für das Vertrauen. Ist wichtig für das Vertrauen und die gemeinsame Zusammenarbeit. Der Athlet muss es erreichen – wir helfen nur. Und das ist das erste Prinzip von Program Design. 

 

 

Reize

Das 2. Prinzip von Program Design ist Reiz. Wenn ich eine bestimmte Anpassung haben will, zum Beispiel mehr Ausdauerleistung, dann muss ich mich fragen: Was ist der spezifische Reiz dafür, der im Körper zu dieser Anpassung führt? Wenn ich zum Beispiel eine erhöhte Ausdauerleistung haben möchte, muss ich mich fragen: „Ok, wo ist denn das Limit in seiner Ausdauerleistung? Liegt es an der Pumpleistung des Herzens, was über die Herzfrequenz repräsentiert ist? Liegt es an der zellulären Versorgung und Verstoffwechslung von Energie, was in der Spiroergometrie repräsentiert ist? Liegt es an der Atmung des Athleten, was etwas ist, was in der Spirometrie, also in der Atemleistungsdiagnostik des Spieler repräsentiert ist? Das heißt, das war ja schon Tool Nummer 2 über Profiling und über das Runterbrechen von Leistungsdiagnostik können wir rausfinden: Was ist das physiologische Limit, die physiologische Engstelle, das schwächste Glied in der Kette in der Physiologie? Und dann wollen wir auch spezifisch diesen Reiz setzen. Wir wollen als den spezifischen Reiz setzen, um zu dieser Anpassung zu führen. Zum Beispiel wenn wir Muskelaufbau haben wollen, dann ist der spezifische Reiz, den wir für Muskelaufbau setzen wollen, eine intensivste Belastung zwischen 40 und 70 Sekunden Dauer. Wenn die Belastung viel, viel kürzer wird, dann haben wir nicht den spezifischsten Reiz für Muskelaufbau gesetzt, sondern es muss 40 bis 70 Sekunden Dauer und dann maximale Muskelspannung für 40 bis 70 Sekunden Dauer. Das ist also Reiz. Darüber wollen wir uns spezifisch Gedanken machen. Wir wollen gar nicht viele Reize senden, die ein anderes Signal senden. Wir wollen nicht mit einem Spieler, der Muskelaufbau braucht, in der gleichen Trainingsphase exzessives Ausdauertraining machen. Das wäre nämlich genau der gegengesetzte Reiz. Wenn wir einen Spieler eine Stunde auf die Laufbahn senden, dann denkt der Körper sich: „Wie löse ich diese Aufgabe besser? Indem ich leichter werde“, aber auf der anderen Seite wollen wir, dass er schwerer wird. Das sind entgegengesetzte Reize. Also das 2. Prinzip im Program Design ist Reiz. Wir müssen uns darüber Gedanken machen: „Was ist der spezifische Reiz, den wir setzen wollen?“, dann wollen wir auch nur den und die synergistischen Reize setzen, aber nicht die entgegenläufigen, antagonistischen Reize. 

 

Ressourcen

Das 3. Prinzip von Program Design ist Ressourcen. Lasst uns beim Beispiel Muskelaufbau bleiben, weil das ein einfaches ist. Was sind die Ressourcen, die notwendig sind, damit dieser Reiz in einer Anpassung umgewandelt werden kann? Ich will nicht zu viel über die Spezifika davon reden, aber für Muskelaufbau eine gewisse Menge an Proteinen, auch teilweise eine gewisse Menge an Kohlenhydraten, also einfach Essen an Ressourcen. Welche Vitamine, welche Nährstoffe sind wichtig für Muskelaufbau? Aber auch Ressourcen im Sinne von Zeit. Welche Ressource an Zeit brauche ich denn zwischen den Trainingseinheiten? Welche regenerativen Ressourcen brauche ich sonst noch? Ist da die Presseabteilung, die den Spieler dauernd für irgendwelche Meetings und Presseengagements blockiert und das nimmt ihnen Ressourcen weg, sich anpassen zu können? Hat er genügend Geld? Das ist gerade bei jungen Nachwuchsspielern der Fall. Hat er genug Geld, um sich auch das notwendige Essen leisten zu können? Hat er das Knowhow, um dieses notwendige Essen zuzubereiten? Das ist das Ressourcen-Thema. 

Also bei Program Design, wie gesagt, lasst uns über 3 Dinge oder 3 Prinzipien, die bei Program Design für so ein 6 Minuten Video wichtig sind – das eine ist halt: Es ist nicht so: „Hier ist der Trainingsplan. Mach ihn. Du wirst auf jeden Fall besser“, nein, du musst besser werden. Ich kann dir dabei helfen. Ich habe eine Idee vielleicht. Das Zweite ist: Welchen Reiz wollen wir setzen? Und wir wollen auch nur den und die synergistischen Reize setzen, nicht die entgegenläufigen. Und das Dritte ist: Für diesen Reiz – welche Ressourcen brauchen wir in der Gesamtheit? Welche Ressourcen haben wir? Lass uns darüber Gedanken machen: Was müssen wir dem Spieler zur Verfügung stellen? Und das ist Program Design in 6 Minuten.

Wenn euch das Thema interessiert und ihr mehr über Program Design zum Beispiel erfahren wollt, geht mal auf alloutperformance.de/events.

Wir haben nämlich ein Event, das findet in Bonn statt in der Beta Klinik Bonn bei Dr. Markus Klingenberg in der großen Klinik. Wir haben super Räume zur Verfügung und Platz für genügend Leute. Da findet nämlich die Performance Director Series von ALLOUT Performance statt. Das ist ein Wochenende, wo wir uns zusammensetzen und natürlich stellen wir von ALLOUT vor, wie wir die Sachen bisher handeln und ihr kriegt einige sehr, sehr praktische Werkzeuge an die Hand, aber vor allen Dingen ist es ein Miteinander und gemeinsames Lösen von Problemen, weil, come on, keiner dieser Welt hat die Antwort auf die Frage: Wie verbessert man Leistungsfähigkeit? Die absolute Antwort – keiner hat die. Viele haben Ideen und darum geht es, diese Ideen zu tauschen, zu kucken: Welche machen Sinn? Welche machen nicht Sinn? Was sind Erfahrungswerte, die klappen und nicht? Mit welchen Werkzeugen können wir weitermachen? Dieser Workshop findet in Bonn statt in der Beta Klinik Bonn nächstes Jahr. Wir haben noch einen zweiten Workshop, der findet in München statt bei Lindebergs Physiotherapie bei Daniel Müller und da geht es um das Thema Return to Game und Verletzungsprävention. Und der dritte Workshop, da geht es um das Thema Regenerationsmanagement und Stressreservoir, Anpassungsfähigkeit. Der findet in München bei EVOPE Crossfit statt. Also wenn ihr Bock habt – wir freuen uns, euch dort zu sehen. Und möge der Flow mit euch sein. 

Tags : athletiktrainingprogram designTrainingsplanung

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