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Functional Medicine

Oraler Glukosetoleranztest zur Diagnostik der Insulinresistenz?

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Die Insulinresistenz hat sich jetzt in den letzten Jahren eigentlich so als kleinster gemeinsamer Nenner von ganz vielen verschiedenen -vor allen Dingen chronischen Erkrankungen- ergeben. Von polyzystisch ovariellem Syndrom bis hin zu Übergewicht und bis hin zu verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen oder auch kardiovaskulären Erkrankungen. Gerade vor 2 Tagen kam eine Studie raus, die noch mal in den Vordergrund gestellt hat, welche Rolle die Insulinresistenz als fundamentaler, als kleinster gemeinsamer Nenner von vielen kardiovaskulären Erkrankungen, von Herzinfarkt bis Arteriosklerose und Bluthochdruck, spielt, also welche Rolle die Insulinresistenz dort spielt.

Und ich hatte ein paar Fragen von euch bekommen zum Thema Diagnostik der Insulinresistenz. Ich hatte in dem Video vorgeschlagen, dass der HbA1c Wert ein adäquater Wert ist, um die Insulinresistenz zu messen, und viele von euch hatten mich gefragt, ob man nicht auch den oralen Glukosetoleranztest dafür nutzen kann. Oraler Glukosetoleranztest – für die, die nicht wissen, wie der funktioniert, ist im Endeffekt: Man misst den Blutzucker. Sagen wir, man nimmt mir jetzt Blut ab, man misst meinen Blutzucker und ein normaler Standardblutzucker liegt irgendwo zwischen 60 und 80mg pro Deziliter an Glukose und dann trinke ich eine definierte Menge an Zucker – meistens 75ml Zuckergetränkt oder 75g Zucker in Wasser aufgelöst – und dann, nach einer definierten Zeitperiode misst man meinen Blutzucker noch mal, um zu kucken: War mein Körper in der Lage, diesen Blutzuckerspiegel oder diesen Zucker, den ich aufgenommen habe, auch wieder abzubauen in dem Sinne, dass der Zucker resorbiert wurde, in meinem Blutkreislauf aufgenommen wurde und von da aus aber auch wieder in die Zellen reingelassen wurde, sodass er nicht mehr im Blut zirkuliert? Sollte ich nach einer definierten Zeitperiode noch einen stark erhöhten Blutzuckerspiegel haben, dann ist das ein Zeichen dafür, dass nicht mehr der Körper in der Lage ist, den Blutzucker aus dem Blut in die Zellen reinzulassen. Und das würde zum Beispiel für eine Insulinresistenz sprechen und das könnte auch sogar für die nächste Stufe, den Diabetes sprechen.

 

 

Also was kann der Grund sein, dass ich den Blutzucker nicht mehr aus dem Blut in die Zellen bekomme? Entweder weil ich zwar viel Insulin ausgeschüttet habe, aber eine Insulinresistenz habe und deswegen nicht genug Schlösser in den Zellen habe, das heißt, nicht genug Rezeptoren für Insulin an der Zelle und dadurch haben ich das Blut nicht mehr von dem Zucker befreien können. Und der andere Grund kann halt sein, dass ich gar nicht in der Lage war, Insulin auszuschütten, weil ich schon manifesten Diabetes habe. Ich habe Diabetes Typ 2, meine Bauchspeicheldrüse schüttet gar nicht mehr genug Insulin aus. Und das können die beiden Gründe sein dafür, dass ich immer noch erhöhten Blutzuckerspiegel habe.

 

Jetzt gibt es aber auch noch ein Szenario, wo ich den Blutzuckerspiegel wieder runterbekomme. Das heißt, ich habe die definierte Menge 75g Glukose getrunken und ich kriege den Blutzuckerspiegel wieder normal reguliert. Auch dafür gibt es zwei Erklärungen. Erste Erklärung ist, ich habe eine adäquate Menge an Insulin ausgeschüttet, ich habe eine adäquate Insulinsensibilität, das heißt, alle meine Zellen haben genug Insulinrezeptoren und dadurch habe ich halt Schlüssel-Schloss-Prinzip den Zucker wieder in die Zellen bekommen und dadurch habe ich meinen Blutzuckerspiegel im Blut wieder senken können.

 

Es gibt aber noch ein zweites Szenario und das zweite Szenario ist, dass ich meinen Blutzuckerspiegel zwar wieder adäquat senken konnte, aber ich habe extrem viel Insulin dafür gebraucht. Ich habe eine hohe Menge an Insulin ausschütten müssen, weil ich eine Insulinresistenz habe. Das heißt, meine Zellen haben zu wenig Rezeptoren für Insulin und ich muss eine sehr stark erhöhte Menge an Insulin ausschütten. Meine Bauchspeicheldrüse macht also Überstunden, schüttet die doppelte Menge an Insulin aus und auch dadurch kriege ich den Blutzucker wieder runterreguliert.



 

Das heißt, wenn wir uns einfach nur den Blutzuckerspiegel vor und nach einer definierten Menge Glukose ankucken, dann wissen wir nicht: Zu welchem Preis hat der Körper den Blutzuckerspiegel runtergesenkt? Wie viel Insulin hat er denn gebraucht, um den Blutzuckerspiegel wieder runter zu senken. Weil er kann ihn wie gesagt runtergesenkt haben mit relativ wenig Insulin oder er kann es zu einem hohen Preis gemacht haben mit einer hohen Menge an Insulin, die den Blutzuckerspiegel geschafft hat, zwar wieder zu senken, aber es war mit hohen Kosten und eine hohe Menge an Insulin wurde dazu benutzt. Und deswegen sage ich auf jeden Fall, dass der orale Glukosetoleranztest, wenn man nur die Blutglukose bestimmt, kein adäquater Test ist, um die Insulinresistenz zu bestimmen, denn was man tun muss, ist, man sollte zusätzlich die Insulinmenge bestimmen, die benötigt wurde, um den Zucker wieder runterzubekommen. Und dazu gibt es Parameter wie den HOMA-Index. Der HOMA-Index ist eigentlich nichts anderes als eine kleine Rechenformel, die angestellt wird aus Insulin und dem Blutzucker, woraus man sagen kann: Wie viel Insulin wurde denn benötigt für diesen niedrigen Blutzuckerspiegel? Sagt uns also ein bisschen was über die Kosten des niedrigen Blutzuckerspiegels. Und in Kombination mit dem Insulinparameter, ist der orale Glukosetoleranztest ein guter Test, um die Insulinresistenz zu bestimmen. Ohne Insulinmessung ist der orale Glukosetoleranztest wertlos, um die Insulinresistenz zu bestimmen. 

 

 

Tags : blutzuckerdiabetesdiagnostikGlukoseinsulininsulinresistenzMedizinogtt

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