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Functional Medicine

Nahrungsmitteltrigger bei Morbus Hashimoto

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Morbus Hashimoto ist eine Erkrankung bei der das Schilddrüsengewebe von dem körpereigenen Immunsystem angegriffen wird. Daher ist nicht ganz korrekt von einer Schilddrüsenerkrankung zu sprechen, denn die Schilddrüse ist nur das Opfer eines überaktiven Immunsystems, welches Autoantikörper gegen die Schilddrüsen Peroxidase und das Thyreoglobulin ausgebildet hat. Es ist daher eine Unterform einer systemischen Autoimmunerkrankung.

Was könnte dazu führen, dass das Immunsystem das eigene Gewebe angreift?

Abschliessende wissenschaftliche Erklärungen gibt es bisher nicht, aber die Hinweise verdichten sich, dass ein Prozess der sich “Molecular Mimicry” nennt, dafür verantwortlich ist. Dabei greift das Immunsystem einen körperfremden Stoff (nennt sich dann Antigen) an um uns gegen diesen körperfremden, und dem Immunsystem unbekannten, Stoff zu verteidigen. Bis hierhin auch alles super. Wenn das Immunsystem sich allerdings irgendwann übermannt fühlt, dann wird es immer aktiver und fängt dann an auf alles zu schiessen was so ähnlich aussieht. Stellt euch das vor wie ein junger Soldat, der im Krieg steht und nervös wird. Wenn dann ein Verbündeter ins Visier gerät, kann er auch schonmal vor Schreck den Abzug drücken.

Dieses Konzept der “Molecular Mimicry” wurde bereits vor über 30 Jahren von den Wissenschaftlern Fujinami und Oldstone beschrieben. Es gibt einige Antigene von denen wir wissen, dass sie zu einem solchen Mechanismus des “Molecular Mimicry” führen. Dazu gehören zum Beispiel Viren und Bakterien. Aber das Weizenprotein Gliadin und das Milchprotein Casein geraten immer mehr in den Fokus der Autoimmunforschung. [1]–[3]

In Bezug auf Hashimoto ist es speziell die Transglutaminase, ein Molekül was sich in grossen Mengen in unserer Schilddrüse befindet, was strukturell sehr ähnlich zu dem Weizenprotein Gliadin ist, und dadurch in das Visier unseres eigenen Immunsystems geraten kann.[4]

Das Casein aus der Milch ist für den Menschen ein „natürlicherer“ Stoff, der unserem Immunsystem besser bekannt. Er befindet sich nämlich in Muttermilch. Etwa 25% der Muttermilchproteine sind Casein. Kuhmilch besteht allerdings zu 85% aus Casein, und die Strukturformel ist leicht unterschiedliche zwischen Kuhmilch und „Menschenmilch“.

Bei einigen Menschen kann eine Autoimmunreaktion durch Casein ausgelöst werden. Das trifft vermehrt für Menschen zu, die nicht lange mit „Menschenmilch“ gestillt wurden, denn dann hatte das Immunsystem nicht ausreichend Zeit sich an Casein zu gewöhnen.[5]

Es ist wichtig zu verstehen, dass Gliadin, einige Viren und Bakterien, und Casein nur einige bekannte Trigger für eine Autoimmunreaktion sind. Es gibt aber zahlreiche weitere, die noch nicht identifiziert werden konnten. Wir sind heutzutage mit einer grossen Zahl an potentiellen Triggern konfrontiert, und unser Immunsystem arbeitet hart daran herauszufinden welche Stoffe toleriert werden sollten und welche nicht.

Wie kann man auf dieser Basis Morbus Hashimoto behandeln?

Für mich spielen bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen 3 Bausteine eine sehr wichtige Rolle :

  1. Identifikation der Trigger
  2. Stabilisierung des Immunsystem (dem Soldaten die Angst nehmen, damit er nicht mehr wild umherschiesst)
  3. Balancierung des Mikrobioms

Identifikation der Trigger

Die Trigger identifiziert man am besten mit einer Eliminationsdiät. Es gibt zwar zahlreiche Bluttests, aber es gibt bisher keinen der Trigger wirklich zuverlässig erfassen kann. Daher ist es das beste einen ausführlichen Symptomfragebogen auszufüllen, die Schilddrüsenantikörper bestimmen zu lassen, und dann für 21 Tage die typischsten Trigger aus dem Lebensstil zu entfernen. Nach den 21 Tagen füllt man den Symptomfragebogen ein zweites Mal aus und bestimmt die Antikörper erneut. Dann führt man alle 3 Tage ein „eliminiertes“ Nahrungsmittel (nur wenn es einem fehlt) zurück in den Lebensstil und beobachtet genau die eigenen Symptome. Das ist der zuverlässigste Weg Klarheit über Nahrungsmitteltrigger zu bekommen.

In meinem Buch „FLOW FOOD Eliminationsdiät“ beschreibe ich diesen Prozess Schritt-für-Schritt. Dort findet ihr auch den Symptomfragebogen, den Triggertracker, genaue Beschreibungen der Nährstoffe, einen Einkaufsplaner und über 50 Rezepte.

Stabilisierung des Immunsystems

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Stabilisierung des Immunsystems. Dadurch, dass erstmal die wichtigsten Trigger eliminiert wurden, bekommt das Immunsystem jetzt ausreichend Raum sich erstmal wieder stabilisieren zu können. Aber durch zusätzliche Gabe von Vitamin D und Omega-3 kann sich das Immunsystem vermehrt stabilisieren und so seine Überaktivität reduzieren. Eine alleinige Gabe empfehle ich nicht, denn das „überaktive“ Immunsystem hat ja schon seinen Sinn. Es will uns gegen Trigger verteidigen. Wenn wir jetzt nur das Immunsystem runterfahren, aber die Trigger drinbehalten, werden wir mit weiteren Symptomen zu kämpfen haben. Wenn im Auto eine Warnleuchte angeht, dann sollte man das Problem beheben, und nicht nur die Leuchte überkleben.

Balancierung des Mikrobioms

Das Mikrobiom hat einen sehr grossen moderierenden Effekt auf unser Immunsystem. Daher ist eine probiotische (direkte Bakterienzufuhr) und prä-biotische Therapie (Futter für die guten Bakterien) fester Bestandteil jeder Autoimmuntherapie. Dadurch verbessert sich auch die Integrität der Darmbarriere, was dazu führt, dass fremde Antigene es nicht mehr so leicht in unsere Blutbahn schaffen. Auch wie man das Mikrobiom wieder regeneriert beschreibe ich im Detail in der FLOW FOOD Eliminationsdiät.



Referenzen

  • [1]      W. E. Barbeau, M. A. Novascone, and K. D. Elgert, “Is celiac disease due to molecular mimicry between gliadin peptide-HLA class II molecule-T cell interactions and those of some unidentified superantigen?,” Mol. Immunol., vol. 34, no. 7, pp. 535–541, May 1997.
  • [2]      A. Vojdani, “A potential link between environmental triggers and autoimmunity,” Autoimmune Dis., vol. 2014, 2014.
  • [3]      A. Vojdani and I. Tarash, “Cross-Reaction between Gliadin and Different Food and Tissue Antigens,” Food Nutr. Sci., vol. 04, no. 01, pp. 20–32, 2013.
  • [4]      K. V Wong, “Gluten and Thyroid Health,” vol. 1, no. 3, pp. 1–3, 2017.
  • [5]      S. Leech, “Molecular mimicry in autoimmune disease,” Arch. Dis. Child., vol. 79, no. 5, pp. 448–451, 1998.
Tags : allergieautoimmuneliminationsdiäthashimotomolecular mimicryschilddrüse

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