close
Sports Performance

Nach dem Spiel noch Krafttraining?

Bildschirmfoto 2018-10-19 um 16.04.15

Ich habe gestern eine sehr, sehr gute Frage bekommen von einem Athletiktrainer aus dem Eishockey, der gefragt hat, ob ich es empfehlen würde, dass man auch nach dem Spiel noch Krafttraining macht. Und das ist etwas, da habe ich mich schon 2012, 2013 intensiv mit auseinandergesetzt mit der Frage, weil Eishockey ist ein sehr, sehr dichter Sport. Man hat teilweise drei Spiele pro Woche und die Zeit für Ergänzungstraining im Sinne von spezifisches Krafttraining, spezifisches Schnellkrafttraining bleibt dann selten, wenn man noch Regenerationsphasen noch beachten möchte.

Und eigentlich, wenn man darüber nachdenkt – und das ist ein Gedanke, der für mich sehr, sehr im Vordergrund steht immer – wenn man darüber nachdenkt: Wie schafft man es am besten, Belastungsphasen zu komprimieren und auch Regenerationsphasen zu komprimieren möglichst als Block? Das ist mir immer sehr, sehr wichtig. Was ich damit meine ist: Ich habe bessere Erfahrungen damit gemacht, anstatt jeden Tag zu trainieren und jeden Tag dann entsprechend nur 23 oder 22 Stunden Regeneration zu haben, ist es manchmal besser, zu sagen: „Wir komprimieren es auf einen Tag die Belastung und machen an dem Tag sehr, sehr viel mehr Training und haben dafür aber eine ausgedehnte Regenerationsphase von 36, 48 oder länger Stunden“, und beim Eishockey ist es so, wenn man halt sonntagabends ein Spiel hat, hat man meistens den Montag komplett frei, das heißt, es kann sehr, sehr sinnvoll sein, an so einem Sonntagabend nicht mehr mit allen Spielern, aber mit manchen Spielern da noch eine Belastung reinzubekommen, die man sonst vielleicht in der gesamten Woche rausstreichen müsste, oder wo man vielleicht in einem schlimmsten Fall an einem Montag noch mal reinkommen würde und mitten in den Regenerationstag rein, um diesen Belastungsreiz noch setzen zu können, oder, was ich auch nicht so optimal finde, den an so einem Dienstag zu setzen. Ich finde es halt besser, das auf die maximale Erschöpfung noch draufzusetzen, wenn es tolerierbar ist und das hängt ein bisschen von der Phase der Saison ab, wie viele Minuten haben die Spieler in den Spielen gehabt, anstatt das halt an den Anfang der Woche zu setzen.

 

 

Man kann natürlich auch den Weg gehen und sagen: „Ok, alles klar, dann ist halt kein Platz mehr für das Ergänzungstraining“, aber das kostet meistens gegen Ende der Saison, wenn man sagt, man verzichtet komplett auf das Extratraining, dann ist das eine Rechnung, die man wahrscheinlich gegen Ende der Saison bezahlen wird, weil man sich nicht ausreichend Belastbarkeit aufgebaut hat, um dann durch so eine Player Phase erfolgreich durchzugehen. Das heißt, ich würde auf jeden Fall empfehlen, die Trainingsreize, die man sich vorgenommen hat im Bereich Krafttraining, im Bereich Schnellkrafttraining, teilweise im Bereich Ausdauertraining, dass man die nicht einfach über Bord wirft. Und ich hatte da – es war, glaube ich, circa 2012 mit [UNV], den ich besucht habe in Anaheim. Ich habe ihn in Kalifornien besucht. Wir hatten da beim Abendessen gequatscht darüber, wie die das machen. Wir saßen da mit dem Athletiktrainer von den San Jose Sharks und mit [UNV] zusammen und haben darüber gesprochen, wie man das am besten reinbekommt. Und in der NHL haben die teilweise viel, viel größere Challenges als in der deutschen oder in den europäischen Eishockey Leaguen, weil die unglaublich große Distanzen überwinden müssen. Die fliegen teilweise Westen, Ostküste und da bleibt fast gar keine Zeit mehr für Ergänzungstraining, Krafttraining, Schnellkrafttraining, wenn man diese ganzen Reisezeiten hat und auch die Regeneration noch beachten möchte. Und die haben das sehr, sehr oft direkt nach den Spielen gemacht. Auch mit dem gleichen Gedanken: „Lasst uns die Belastungsphasen komprimieren und die Regenerationszeiten dafür maximieren“.

 

Ist es optimal? Nein, natürlich nicht, aber im Wettkampf-Setting und vor allen Dingen in der Saison geht es darum, das Optimale in der Gesamtkonstellation aus allen Dingen, die man erreichen möchte, zu konzipieren. Und in meinen Augen kann es dann durchaus optimal sein, auch nach einem Spiel Ergänzungstraining zu machen. Und wie wir das oft gemacht haben, ist mit so ein paar Gedanken im Hinterkopf. Also einerseits: Welche Ziele möchte ich überhaupt erreichen mit jedem individuellen Spieler? Das heißt, jeder Spieler hat seine individuellen Sachen. Manche Spieler müssen öfter Schnellkraftreize setzen, manche Spieler müssen öfter Krafttrainingsreize setzen, manche Spiele müssen öfter spezifische Ausdauerreize setzen, das heißt, auch gerade nach einem Spiel bietet es sich an, da sehr, sehr individuell zu arbeiten, den Reiz zu setzen, den dieser Spieler halt braucht. Und noch mal: Ist das optimal? Wird der das Maximale aus diesem Trainingsreiz rauszuziehen? Nein, aber es geht um eine Akkumulation über die Wochen, dass wir uns eine Belastbarkeit, eine gewisse Qualität aufbauen, die wir mit in die Player Phase reinnehmen.

Eishockey Performance : Athletiktraining, Ernährung, Regeneration und Trainingsplanung für Profis und Nachwuchsspieler
Kundenbewertungen
Eishockey Performance : Athletiktraining, Ernährung, Regeneration und Trainingsplanung für Profis und Nachwuchsspieler*
von Bioflow Publishing
  • Alle Prinzipien, Methoden, und Übungen für internationale Spitzenleistungen
  • Optimale Regeneration & Saisonvorbereitung
  • Kraft- & Schnelligkeitsentwicklung
  • individuelle Ausdauermethoden
  • individuelle Ernährungspläne & Rezepte
Prime Preis: € 59,00 Buy now at Amazon*
Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

 

Also einerseits wollen wir das sehr, sehr individuell gestalten. Dann hängt es halt dann sehr viel davon ab, wie viele Minuten so ein Spieler gespielt hat. Wenn wir Spieler hatten, die über 24, teilweise sogar über 30 Minuten gespielt haben, dann haben wir da keinen großen Trainingsreiz mehr gesetzt nach einem Spiel, aber es gibt viele Spieler, die unter 12 Minuten gespielt haben, unter 10 Minuten, unter 8 Minuten teilweise. Mit denen kann man fast ein vollwertiges Workout noch machen, wenn es nicht zeitlich zu tief in den Abend reingeht, weil dann machen wir es auch wieder auf Kosten von wertvoller Familienzeit, von wertvoller Schlafzeit. Das heißt, der erste Gedanke ist so das Thema Individualisierung. Einerseits welche Qualität an Reizen möchte ich setzen? Krafttraining. Welches Krafttraining? Schnellkraft. Welche Schnellkraft? Ausdauer. Welche Ausdauer? Und das sollte punktuell für jeden Sportler anhand seiner mittelfristigen Ziele passieren. Andererseits aber auch: Wie voluminös kann diese Workout sein? Wie intensiv kann dieses Workout sein anhand der Minutenzahl?

Es gibt aber neben diesem Gedanken, dass wir den Sportler entwickeln wollen über eine Saison, noch diesen Gedanken, dass wir eine relativ homogene Belastung kreieren müssen teilweise in einem Team. In dem Team ist eine der schlechtesten Sachen, die passieren kann, ist wenn 50% des Team komplett erschöpft sind und auf so einer bergab Kurve sind, während 50% nur darauf warten, dass sie endlich eine neue Karotte vorgeworfen bekommen. Das heißt, es geht um so Homogenisierung von Erschöpfung und Homogenisierung von Anpassung, von der Adaption. Das heißt, auch da ist es wieder ein Gedanke, warum man sagt: „Ok, Spieler, die gar nicht gespielt haben oder Spieler, die wenige Minuten gespielt haben, die sollten auf jeden Fall auch was machen allein aus dem Grund, dass wir an dem Dienstag mit einer ähnlichen Belastbarkeit dahin kommen“, wir fahren das gleiche Mannschaftstraining, dass wir das auf die gleiche Art und Weise aufsaugen können. Und natürlich passiert das alles auf dem Hintergrund des individuellen Stressreservoirs. Das heißt, generell wie belastbar ist jeder Spieler? Und das soll aber ein anderes Thema sein.

 

Also generell: Ja, auf jeden Fall. Ich empfehle glasklar, auch nach einem Spiel noch extra Einheiten zu machen, wenn es Einheiten sind, die euch wichtig sind, wenn es individuelle, spezifische Reize sind, von denen der Spieler wirklich profitiert. Ich denke, man sollte niemals eine Einheit machen, nur um Erschöpfung zu generieren, sondern es sollte immer eine spezifische Anpassung sein, nach der wir dort jagen. Ob es mehr Schnelligkeit ist, mehr Kraft, mehr Ausdauer, mehr motorische Kontrolle in verschiedenen Bereichen. Das sind alles Dinge, an denen man noch arbeiten kann. Passt das ein bisschen an an die individuellen Belastungen, die ein Spieler in so einem Spiel erfahren hat – ob es jetzt beim Eis die Minuten sind oder bei einem Fußballer die Minuten, die er gespielt hat – und kuckt, dass ihr ein relativ homogenes Anpassungslevel in so einem Team kreiert, weil sonst haben wir auf der einen Seite die Jungs, die komplett abknicken, und auf der anderen Seite die Jungs, die unterfordert sind. Ja, bombardiert mich weiter mit Fragen zu dem Thema. Ich finde es ein spannendes Thema. Es gibt keine ultimative Antwort, wie ich das Thema in den vergangenen Jahren behandelt habe. Und teilt mir eure Gedanken. Bis bald.

Tags : basketballEishockeyFussballKrafttrainingperiodisierungspielWettkampf

Leave a Response


Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /home/gerritke/public_html/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 454

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /home/gerritke/public_html/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 454

Warning: Cannot assign an empty string to a string offset in /home/gerritke/public_html/wp-includes/class.wp-scripts.php on line 454