close
Functional Medicine

Ist Diabetes heilbar?

Bildschirmfoto 2018-10-19 um 15.56.37

Ich möchte Menschen helfen, die keine Patienten sein wollen, und deshalb ist die Insulinresistenz ein sehr spannender Startpunkt, weil die Insulinresistenzein zentraler, kleinster gemeinsamer Nenner ist von vielen verschiedenen Krankheiten. Neuropsychiatrischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, kardiovaskulären Erkrankungen bis hin zu den Krebserkrankungen. Das heißt nicht, dass die Insulinresistenzalleine dafür verantwortlich ist für diese verschiedenen Krankheitsbilder, sondern die Insulinresistenzist ein kleinster gemeinsamer Nenner, das heißt, sie wird oft immer wieder als grundmitschwingende Situation identifiziert. Und die ist deshalb spannend, weil sie einerseits dieser zentrale Punkt ist, und andererseits aber auch hoch variabel ist, je nachdem welchen Lebensstil man lebt.

Die Insulinresistenzist eine evolutionäre Anpassung, die in früheren Zeiten, wo wir lange Hungerphasen und dann auf einmal „das Mammut geschlachtet hatten“, auf einmal ganz viel zu Essen hatten. Da ist das eine sehr, sehr sinnvolle metabolische Anpassung gewesen. In heutigen Zeiten, wo wir Nahrung die ganze Zeit verfügbar haben, ist ein evolutionäres Geschenk, was wir bekommen haben, was uns aber oft eher Fluch als Segen sein kann. Und diese Insulinresistenzist halt wie gesagt sehr, sehr anpassungsfähig an unseren Lebensstil. Sie verschiebt sich. Manchmal sind wir insulinsensibler, manchmal sind wir insulinresistenter, je nachdem welchen Lebensstil wir leben.

 

 

Und unter dieser Prämisse kommt dann auch die Frage auf: Wenn doch ein Endgame der Insulinresistenz der Diabetes Typ 2 ist, das heißt, die Bauchspeicheldrüse ist dann irgendwann so erschöpft vom Ausschütten des Insulins, dass wir einen manifesten Diabetes haben. Wenn die Insulinresistenzdoch verschieblich ist, ist dann nicht auch der Diabetes was Verschiebliches und damit heilbar? Und die Antwort darauf ist glasklar: Ja. Der Diabetes Typ 2 ist eine heilbare Erkrankung. Und das ist etwas, was viele, viele Ärzte, die gerade in diesem metabolischen Bereich und im Bereich der Ernährung arbeiten, über viele Jahre schon wussten und die letzten – also gerade in dem Bereich, in dem ich ausgebildet bin, Functional Medicine, ist es tagtäglich Brot seit über 20 Jahren in diesem Bereich, Leuten auf Lebensstilwege zu bringen, um die Insulinresistenzin den Griff zu bekommen und dadurch auch andere Krankheiten – und dazu gehört halt auch der Diabetes. Lange wurde das sehr, sehr belächelt bis angefeindet bis scharf kritisiert. In den letzten 2, 3, 4 Jahren sind allerdings immer mehr und mehr Studien rausgekommen, die genau das halt bestätigen, dass das mehr als möglich ist, gerade so einen Diabetes zu heilen, weil der Diabetes halt eine relativ lineare Konsequenz der Insulinresistenzist und die Insulinresistenzeine relativ lineare Konsequenz des Ernährungsstils ist.

 

Jetzt ist es so, dass je länger der Diabetes metabolisch vorhanden ist, desto mehr und mehr kann es auch dazu führen, dass wir anatomisch Veränderungen haben. Das heißt, irgendwann verändert sich die Bauchspeicheldrüse auf eine Art und Weise, dass auch das nicht mehr wieder herzustellen ist. Also auch in dem Sinne: Use it or lose it. Wenn ich jetzt meinen Arm in Gips lege und komplett eingipse, nach einem Jahr werde ich den auch nicht mehr so gut bewegen können, weil auch wenn ich den Gips wegmache – die Metabolik wäre vielleicht da, aber ich habe es einfach so lange nicht mehr benutzt, dass schon anatomische Veränderungen dazu geführt haben, dass der Organ erst mal nicht mehr gut nutzbar ist – in dem Fall der Arm oder in dem Fall die Bauchspeicheldrüse.

 

Ok, viel Gelaber. Lass uns über eine große Studie reden, die im letzten Jahr rausgekommen ist. Das ist die Virta Health Studie, wo sie sich genau das Thema Diabetes und Lebensstil angekuckt haben, und die haben über 350 Patienten in diese Studie mit aufgenommen und haben denen gezeigt, was der Ernährungsstil sein soll, um ihren Diabetes umzukehren. Und Fakt, was am Ende bei dieser Studie rausgekommen ist, ist, dass 60% der Leute kein Diabetes mehr hatten nach einem Jahr. Und wenn ich sage: „Sie hatten kein Diabetes mehr“, kann jetzt sich sicherlich darüber streiten. Das machen viele Ärzte gerne. War das jetzt wirklich eine Heilung oder war das eine sogenannte Remission? Und das ist meiner Meinung nach eine semantische Unterscheidung, die für den Patienten in diesem Moment überhaupt keine Bedeutung hat, weil der Patient hat keine Symptome mehr gehabt. Also bei dieser Studie war es so: Der Patient hat nach einem Jahr keine Symptome mehr gehabt des Diabetes und hat keine metabolischen Marker des Diabetes. Das heißt, er hatte keine erhöhten Blutzuckerwerte, keine erhöhten Insulinwerte, keinen erhöhten HbA1c Wert nach einem Jahr und er konnte alle seine Medikamente absetzen und das ist für 60% dieser über 350 Leute der Fall gewesen.

 

Was haben diese Patienten jetzt gemacht? Die Patienten haben eigentlich gar keine massiven Interventionen gemacht. Sie mussten zum Beispiel gar keine Sport machen und die Ernährungsintervention, die sie bekommen haben, ist eine ketogene Ernährung gewesen, das heißt, eine Ernährung, die sich durch viel Fette und wenig Kohlenhydrate auszeichnet. Im Endeffekt Fleisch und Gemüse mit ein bisschen zugesetzten pflanzlichen Fetten. Und diese Fleisch und Gemüse Ernährungsform hat nicht nur dazu geführt, dass sie ihren Diabetes losgeworden sind, sondern im Schnitt haben diese über 350 Leute auch 18% ihren HDL Wert, das heißt, den Wert des guten Cholesterins erhöht, das heißt, sie haben also damit auch ihr Herzinfarktrisiko erheblich gesenkt auf dieser Fleisch und Gemüse Diät. Sie haben ihr C-reaktives Protein, das ist ein Entzündungsmarker, im Schnitt um 39% gesenkt. Sie haben 39% Entzündungswerte gesenkt. Also da haben wir auch schon wieder ein riesiges Plus, einen riesigen Vorteil bei neuropsychiatrischen Erkrankungen, die sehr, sehr stark entzündungsbedingt sind, Autoimmunerkrankungen, bei denen auch immer das Wort „Entzündung“ mitschwingt, und kardiovaskulären Erkrankungen, bei denen auch immer das Konzept Entzündung mitschwingt. Sie haben also ihre Entzündungswerte um 39% gesenkt und gleichzeitig haben sie noch ihre Blutdruckwerte verbessert und im Schnitt 12% Körpergewicht verloren.

 

Ok, alles klar: Was heißt das jetzt für jeden einzelnen von uns? Wie sollten wir vorgehen? Wenn du Diabetes hast, kucke, dass du dir einen Doc suchst, der diese Studie kennt, versteht und versteht, welche Mechanismen dahinterstecken. Sprich mit ihm. Lass dich von dem betreuen und begleitend mit diesem Doc arbeitet daran, dass du diese Ernährungsintervention hinbekommst, diese ketogene Ernährung – ich denke, da werde ich auch in den nächsten Wochen noch ein paar Videos zu machen – und dass begleitend dazu die Insulinmedikation oder die Diabetesmedikation gesenkt werden kann. Ich halte es für keine gute Idee, wenn ihr anfangt, Selbstversuche zu starten, weil gerade wenn ihr Insulin nehmt und andere Diabetesmediaktionen, vielleicht Metformin, dann führt das zu – auf die ketogene Ernährung umzuschwingen führt schon zu massiven Verschiebungen und das sollte auf jeden Fall von einem Experten mit begleitet werden.



 

Also, wenn ihr Fragen habt zur Virta Health Studie, zur Umkehrung von Diabetes, zur Heilung von Diabetes, schreibt es in die Kommentare oder schreibt mir sofort eine Mail. Die findet ihr auch hier unten in der Beschreibung. Und ich schaue mal, was ich als nächstes für ein Thema angehe. Möge der Flow mit euch sein.

Gerrit Keferstein, MD

Gerrit Keferstein is a Medical Doctor specialised in Performance & Functional Medicine. He is most known for his work on the optimisation of recovery and adaptation in elite athletes.

Tags : insulindiabetesHbA1cinsulinresistenzblutzuckerGlukoseketogene Ernährung

Leave a Response