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Sports Performance

Goal Setting und Verbindlichkeit im Athletiktraining

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Wir hatten die letzten Tage über die drei großen Bereiche im Athletiktraining gesprochen, nämlich einmal Leistungsoptimierung, Performance, Spielerverfügbarkeit, Optimierung oder Chancenmaximierung, dass Spieler verfügbar sind, Availability, und der dritte Bereich Adaptability, also den Spieler anpassungsfähig zu machen und zu halten. Und wir hatten darüber gesprochen, dass um eine Übersicht zu behalten, es 5 Tools gibt, die wir versuchen, zu installieren, wenn wir zu einem neuen Team kommen. 

Im Bereich Performance ist das erste Tool „Maximal Bock“ Prinzip, Trainingsintension. Das zweite ist Leistungsdiagnostik und Profiling. Das dritte ist ein eher philosophisches, nämlich Start with the Game. Und das vierte, worüber wir heute sprechen wollen, das ist das Thema Verbindlichkeit und Goal Setting, also Verbindlichkeit und Zielsetzung. Dazu möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen, was ich von einem sehr, sehr, sehr coolen Coach gelernt habe und dann ab dem Zeitpunkt übernommen habe. Und zwar ist das ein Gespräch, was man mit einem Spieler führt vor der Saison und dieses Gespräch hat eigentlich 3 Fragen. Und es geht darum, innerhalb dieses Gesprächs eine Kongruenz bei diesen 3 Fragen zu bekommen, dass also der Spieler und wir eine ähnliche Idee von diesen 3 Fragen haben. 

Wo stehst du gerade?

Und die Frage Nummer 1 ist: Wo stehst du gerade? Was bist du gerade als Spieler? Was bist du für ein Spielertyp? Was für Qualitäten hast du? Was für Dinge kannst du noch nicht so gut? Was für Dinge kannst du besonders gut? Wo stehst du gerade? Und das ist halt was, was wir als Coaches über die Beobachtung des Spiels sehen können – der Head Coach natürlich viel, viel besser noch als wir als Athletiktrainer – und was wir aber auch über die Leistungsdiagnostik halbwegs versuchen können, zu greifen. Das ist also das, wie wir uns von dieser Seite nähern, und er nähert sich von der Seite, dass er sich natürlich am besten kennt als Spieler. Und dann reden wir über die gemeinsame Einschätzung von dieser Idee „Er als Spieler“. 

 

 

Wo willst du hin?

Wenn wir da eine Kongruenz haben, kommt die zweite Frage. Die zweite Frage ist nämlich: Ok, wo willst du denn hin? Was willst du sein? Und die meisten Spieler – und nicht alle – die meisten Spieler aber wollen etwas sein, was besser ist als das, was sie jetzt gerade sind. Sie reden also darüber: Was ist ihr Potenzial? Was ist ihr Potenzial im nächsten Jahr? In 3 Jahren, in 3 Jahren? 4, in 5 Jahren. Das wird schon sehr, sehr abstrakt, wenn man so weit geht, aber im nächsten Jahr, in den nächsten 2 Jahren. Was willst du aus dir machen in den nächsten 1, 2 Jahren? Und das ist ein sehr, sehr wichtiges Gespräch. Ein sehr, sehr spannendes Gespräch, wo auch viel, viel Vertrauen entsteht, indem man dann klärt: Wo sehe ich dich in den nächsten 1, 2 Jahren? Vielleicht ist das eine Situation, wo der Spieler das vielleicht nicht so gesehen hätte, und er fühlt sich dadurch motiviert. Vielleicht ist es aber auch eine Situation, wo er sich falsch eingeschätzt fühlt, wo er sich unterschätzt fühlt. Das ist einfach ein ganz, ganz wichtiges, klärendes, vertrauensaufbauendes Gespräch. 

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Was glaubst du, was du dafür tun müsstest?

Die 3. Frage, wenn man Kongruenz darüber hat, was er gerade ist und wo er hin will, ist: Was glaubst du, was du dafür tun müsstest? Und das ist eine spannende Frage, weil oft kommt ein Spieler mit der Erwartung hin: „Hey, ich komme jetzt zu Coaches und die machen das jetzt. Die regeln das“, no, nein, nein, nein. So läuft Training nicht. Training läuft so nicht. Um besser zu werden, muss der Spieler besser werden. Der Coach, der kann oft dafür sorgen, dass ihm keine Steine in den Weg gestellt werden oder dass er das Umfeld kreiert, damit dieses Besserwerden möglichst leicht vonstatten geht, aber besser werden muss der Spieler. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Mind Switch. Viele erfahrene Spieler – für die ist das kein Mind Switch. Die wissen das, aber viele junge Spieler, die schockt diese Frage so ein bisschen. „Was musst du denn dafür tun?“, „Hä, wie? Ich dachte, das wisst ihr“, vielleicht haben wir eine Idee, aber die solltest du vor allem primär haben, was du dafür tun musst. Und wenn du das nicht weißt, dann können wir dir dabei helfen, aber es geht darum, dass du eine gewisse Bereitschaft hast und weißt: Es gibt einen Preis, den du dafür zahlen musst, um besser zu werden als der, der du jetzt heute bist. Dieser Preis ist harte Arbeit. Dieser Preis ist nicht so spät ins Bett zu gehen. Dieser Preis ist regelmäßig, konstant an bestimmten technischen, taktischen oder physischen Dingen zu arbeiten. Und aus diesem Gespräch muss halt hervorgehen, dass er versteht, dass ein Preis da ist, und dass er versteht, dass im Bereich Leistungssport viele Dinge nicht umsonst sind. Und auch, dass er versteht, dass wir nicht diejenigen sind, die ihm alles auftischen, dass wir diejenigen sind, die ihm helfen und die ihn unterstützen und die an ihn glauben vor allen Dingen. Das ist ja aus Frage 2 vorher hervorgegangen. Aber wir sind nicht diejenigen, die es für ihn lösen. Er muss es selber lösen. Wir können ihm dabei helfen. 

Das ist ganz, ganz wichtig, dieses Gespräch zu führen und sich auch Notizen zu machen über dieses Gespräch, weil es gibt immer mal wieder über die Saison Situationen, wo man sich daran erinnern muss. Einerseits für uns als Coaches uns noch mal daran zurückzuerinnern: Was haben wir diesem Spieler gesagt? Woran glauben wir bei ihm auch? Das ist aber meiner Einschätzung nach etwas seltener der Fall. Oft ist es aber so: Profisport ist tough. Das ist mega tough für den einzelnen Spieler, gerade wenn es junge Spieler sind, die einen Anschluss versuchen zu kriegen. Nicht immer sieht man das Licht am Ende des Tunnels. Oft fragt man sich: „Es ist so unerreichbar. Ich weiß nicht, was ich tun soll“, und das ist ein ganz, ganz wichtiger Zeitpunkt, mit dem Spieler noch mal zu sprechen und ihn dann zurückzuerinnern: „Hey, damals, als wir dieses Gespräch geführt haben, da hast du uns ganz klar sagen können, was du dafür tun musst. Die letzten paar Wochen haben wir gesehen, du hast dich ein bisschen hängenlassen und hast diese Sachen nicht mehr getan. Warum? Was ist los?“, das ist ganz, ganz wichtig, dass wir diese Chance haben, dieses Gespräch mit ihm zu führen. Diese Verbindlichkeit, die wir kreiert haben: „Ich bin dafür da, dir zu helfen. Und du bist dafür da, dich besser zu machen. Wir machen das als gemeinsames Team. Ich helfe dir, eine Struktur, eine Strategie da reinzubringen, aber die Intension, die kommt von dir“. 

Und was das im Kontext des Athletiktrainings bedeutet, ist: Lasst es uns für den Spieler einfach halten. Anstatt ihm zu sagen: „Du musst ein besserer Athlet werden“, wir geben ihm 1 bis maximal 2 – und die letzten 3 Jahre ist es für uns eine brutale Regel, zu sagen: „Wir geben keinem Spieler mehr als 2 Ziele. 2 Ziele pro Trainingsphase“, und bei einer Trainingsphase reden wir von 3 Monaten. Pro 3 Monate gibt es nicht mehr als 2 Ziele. 2 Stück und alles andere – Scheuklappen. Wird auch ausgeblendet. Wenn es für den einen Spieler darum geht, die Hüftrotationsfähigkeit messbar zu verbessern und die Ausdauerleistung messbar zu verbessern, dann setzen wir alle unsere Pferde auf dieses Ding. Wir fokussieren alles auf diese beiden Sachen. Wir machen kein Muskelaufbautraining während der Phase. Es geht darum, diese 2 Sachen zu verbessern. Das ist unsere Verantwortung, dem Spieler es möglichst einfach und leicht zu machen, auch da hinzukommen. Das gibt dem Spieler eine unglaublich krasse Klarheit und Simplizität, wenn wir es so schaffen, es so für den Spieler simpel zu halten, kann er sich entfalten und Gas geben und er sieht das Licht am Ende des Tunnels. Er sieht: „Ok, pass auf, erstes Zwischenziel Hüftrotation verbessern, Ausdauerleistung verbessern“, er wird nicht overwhelmed und überfordert mit der ganzen Komplexität – das ist unser Job. Das ist unser Job als Coach, diese ganze Komplexität zu sehen und zu verstehen, dass das Game zu gewinnen eine unglaublich krasse Aufgabe ist, aber die ganzen Spieler sind oft Kids, für die es unglaublich schwer ist, die Motivation aufrechtzuerhalten, dass sie in der Lage sind, das zu schaffen. Wir müssen ihnen die Karotte gerade so vor die Nase halten, aber nicht zu weit weg. Alle 3 Monate können wir uns zusammensetzen und reevaluieren: Wo stehen wir gerade? War die Zielsetzung korrekt? War sie falsch? Müssen wir uns neue Ziele setzen? Müssen wir uns andere Ziele setzen? Und, ja, in manchen Situationen gibt es auch die Situation, wo man sich fragen muss: „Ist Profisport genau das Richtige für dich oder gibt es für dich andere Avenues im Leben?“, aber das ist nicht der Zeitpunkt während einer Trainingsphase. Während einer Trainingsphase geht es darum, Klarheit zu haben über das, was ich machen möchte. Und deshalb Tool Nummer 4: Verbindlichkeit und Goal Setting. Das macht es für den Spieler leicht, das macht es für uns leicht und alle 3 Monate können wir reflektieren und die Größe und Komplexität des Ganzen und daraus können wir noch mal verlieren, aber dann legen wir wieder 2 neue Ziele fest und sagen: „Ok, jetzt wieder Volldampf“. Also Tool Nummer 4: Goal Setting und Verbindlichkeit. Das Ziel ist es, das Ziel als Ziel im Auge zu behalten, und wir dürfen uns nicht ablenken lassen, während wir nach diesem Ziel jagen. 

Wenn euch diese Themen interessieren, dann schaut mal auf – hier unten ist der Link – alloutperformance.de/events/ nach. Wir haben nämlich nächstes Jahr 3 große Workshops, wo wir alles vorstellen, was wir in den letzten Jahren gelernt haben und gemacht haben zum Thema Leistungsoptimierung. Da geht es um das Thema Leistungsdiagnostik und Profiling. Dieser Workshop wird in Bonn stattfinden. Dann werden wir zum Thema Return to Game und Verletzungsprävention alles vorstellen. Dieser Workshop wird in München stattfinden. Und wir werden zum Thema Anpassungsfähigkeit, Regenerationsmanagement, Stressreservoiroptimierung, Schlafoptimierung, Ernährung, wie kann ich einen Spieler anpassungsfähiger machen. Den werden wir oben in Berlin bei EVOPE Crossfit abhalten. Jeweils 2 Tage. Wir freuen uns, euch dort zu sehen, und möge der Flow mit euch sein.

Tags : athletiktraininggoal settingTrainingsplanungZielsetzung

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