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Mind Performance

Ein simpler Mindfuck um das Gefühl von Reue loszuwerden

Bildschirmfoto 2018-09-27 um 15.06.38

Heute möchte ich mit euch über das Konzept von Reue sprechen. Ich habe mit vielen, vielen Athleten und Patienten zusammengearbeitet, die von einer Form der Reue zurückgehalten wurden. Sie haben irgendwas in ihrem Leben bereut und daran haben sie so lange festgehalten, das hat sich so in ihrem Kreis gedreht, dass sie auch heute, wo das, was sie bereuen, schon lange vergangen ist, sich immer noch Vorwürfe machen und in so einem destruktiven, kleinen Zyklus drinnen sind, in dem sie sich immer kleiner machen, als sie eigentlich sein sollten.

 

 

Manchmal ist Reue ein sehr sinnvolles Gefühl, wenn man zum Beispiel sehr absichtlich und sehr bewusst jemanden verletzt hat oder jemanden zu Schaden gebracht hat oder was kaputtgemacht hat. Dann ist es sehr sinnvoll, ein Gefühl von Reue zu erleben, zumindest bist zu dem Zeitpunkt, wo man die Situation eingeordnet hat, weil es einen davon abhält, sowas noch mal zu tun.

 

Manchmal ist das Gefühl von Reue aber nicht sehr sinnvoll, weil man die Art und Weise welche Rolle Entscheidungen und Glück und Wahrscheinlichkeiten im Leben spielen, falsch eingeschätzt hat. Und ich will euch ein kleines Beispiel dafür geben: Nehmen wir an, wir haben im Leben Dinge getan, die wir bereuen. Wir haben zum Beispiel eine Beziehung mit einem Menschen begonnen, wo wir im Nachhinein sagen: „Ich bereue total, dass ich mich darauf eingelassen habe, dass ich demjenigen mein Vertrauen geschenkt habe. Das bereue ich“, oder wir haben vielleicht eine Business Idee gehabt und im Nachhinein sagen wir vielleicht: „Ich bereue total, dass ich das jemals gemacht habe. Ich habe so viel Geld in den Sand gesetzt und das hat dazu geführt, dass ich mir das und das nicht mehr leisten konnte oder ich konnte vielleicht die Ausbildung für meine Kinder nicht in dem Maße finanzieren, wie ich das gerne gemacht hätte“. Solche Dinge kann sein, dass wir diese Sachen bereuen, aber vielleicht haben wir auch die richtige Entscheidung getroffen, es ist nur das falsche Outcomedabei passiert.

 

Ein kleines Beispiel, was ich euch dafür zeigen will, ist: Ich habe hier einen kleinen Stein und in einer meiner Hände wird gleich dieser Stein sein. Es ist eure Aufgabe, zu raten, in welcher Hand dieser Stein ist, und wir spielen ein kleines Glücksspiel daraus. Ihr müsst mir 1€ geben, um dieses Spiel mitzuspielen. Wenn ihr die Hand richtig geraten habt, wo der Stein ist, dann gebe ich euch 5€. Das heißt, ihr müsst 1€ zahlen, um mitzuspielen, und 5€ gebe ich euch, wenn ihr den richtig geraten habt. Ok, also Stein rausfinden. In welcher Hand ist er? Wenn ihr die Hand geraten habt, habt ihr gerade 1€ verloren. War das also die falsche Entscheidung, die ihr dort getroffen habt? Nein, war es vielleicht nicht, weil in dem Moment, wo ihr vor der Entscheidung standet, in dem Moment, wo die Entscheidung zu fällen war, war es sehr, sehr sinnvoll, dieses Spiel anzutreten. Ihr habt nur 1€ Einsatz mit einer 50:50 Chance, 5€ potenzieller Payout. Mit den Informationen, die euch zur Verfügung standen, habt ihr die beste Entscheidung getroffen. Das Outcome war nicht wünschenswert. Ihr habt 1€ verloren. Wenn ihr jetzt gesagt habt: „Nein, Gerrit, das war die falsche Entscheidung, ich lag nämlich falsch“, dann noch mal die Frage: Wir spielen das Spiel noch mal: 1€ Einsatz, Stein in einer Hand. Spielst du das Spiel noch mal? Und wenn du dich jetzt entschieden hast, das Spiel nicht noch mal zu spielen, dann schreib unten in die Kommentare und erkläre mir ganz genau, warum du das Spiel nicht noch mal spielen würdest. Für mich wäre es klar. Ich würde das Spiel auf jeden Fall noch mal spielen. 50:50 Chance, 1€ Einsatz, 5€ Payout, wenn man richtigliegt. Wenn du die Hand geraten hast, hast du schon wieder 1€ verloren. Würdest du noch mal spielen? Ja, natürlich würde ich noch mal spielen. Stein, Hand raten. Richtig, 5€ zurück.

 

Was ich damit sagen will, ist: Wir bewerten oft die Qualität einer Entscheidunganhand des Outcomes, anhand dessen, was wir wissen, sobald wir alle Informationen haben, nämlich sobald Zeit vergangen ist, wir erlebt haben, wie sich das ganze Ding entfalten konnte, nachdem wir 5 Jahre lang die Beziehung mit diesem Menschen geführt haben, von dem wir am Anfang überzeugt waren, der uns am Ende enttäuscht hat. Am Ende bereuen wir es. Ja, ok, mit den 5 Jahren Erfahrung und mit den 5 Jahren Wissen über diesen Menschen, ist es einfach gesagt, dass das eine falsche Entscheidung war, aber das ist Quatsch. Versetzt euch in den Zeitpunkt zurück, wo ihr die Entscheidung getroffen habt. Zu dem Zeitpunkt, wo ihr die Entscheidung getroffen habt, hattet ihr wahrscheinlich nicht die Informationen, die ihr jetzt habt. Und versetzt euch noch mal in die Situation und fragt euch, ob das vielleicht die richtige Entscheidung war.

 

Es gibt die Geschichte von dem bekannten American Football Coach Bill Belichick, der in einem Spiel eine sehr, sehr ungewöhnliche Entscheidung getroffen hat. Er hat einen sehr, sehr ungewöhnlichen Spielzug in einer sehr, sehr ungewöhnlichen Position ausgewählt und dieser Spielzug ist in die Hose gegangen. Die haben das Spiel verloren. Nach dem Spiel wurde er gefragt: „Coach Belichick, wie konnten Sie so eine schlechte Entscheidung treffen, diesen Spielzug auszuwählen?“, und er: „Nein, das war die richtige Entscheidung. Es ist halt das falsche Outcome dabei rausgekommen. Ich bin nicht verantwortlich dafür, clever auszusehen für andere. Ich bin verantwortlich dafür, gute Entscheidungen zu treffen. Und manchmal kommt das Outcome, was am wahrscheinlichsten ist, und manchmal kommt das Outcome, was mich dumm aussehen lässt. Das ist mir aber egal. Ich bin dafür da, dass wir gewinnen, und dazu muss ich gute Entscheidungen treffen“, und ich finde, das ist eine sehr, sehr geile Philosophie, wie man sich das Leben betrachten kann. Die Qualität einer Entscheidung wird in dem Moment festgelegt, in dem die Entscheidung zu treffen ist. Vor 5, vor 6, vor 7, vor 8, vor 10 Jahren, da waren wir andere Menschen. Ich bin nicht mehr der, der ich vor 10 Jahren war, und wenn ich das wäre, dann wäre das schlimm, weil es keine Entwicklung gegeben hätte. Ich denke, alles ist immer als Prozesszu sehen. Das, was wir damals für Entscheidungen getroffen haben, die wir jetzt heute vielleicht bereuen – lass uns zurückversetzen: Welche Informationen hatten wir zu dem Zeitpunkt und war es vielleicht eine gute Entscheidung mit einem nicht so optimalen Outcome? Also, bis dahin. Möge der Flow mit euch sein. Tschau.

Gerrit Keferstein, MD

Gerrit Keferstein is a Medical Doctor specialised in Performance & Functional Medicine. He is most known for his work on the optimisation of recovery and adaptation in elite athletes.

Tags : Reuemotivation

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