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Sports Medicine

Die „Low Fruits“ der Bewegungseffizienz

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Heute zum Tool 2 im Bereich der Spielerverfügbarkeit, im Bereich der Availability im Athletiktraining. Gestern haben wir über Tool 1 im Bereich der Spielerverfügbarkeit und  der Verletzungsprävention gesprochen. Tool 1 war das Führen einer detaillierten Verletzungsstatistik, wo ich euch eine Vorlage verlinkt habe, die ihr euch runterladen könnt, um eine detaillierte Verletzungsstatistik führen zu können. Heute Tool Nummer 2 und dieses Tool heißt „die niedrigen Früchte“. 

Was ich mit den niedrigen Früchten meine, ist, wenn wir eine Bewegungsanalyse von einem Spieler machen, werden wir ein paar Dinge herausfinden. Wir werden herausfinden: Was ist das, was beim Spieler limitiert ist? Ob er vielleicht eine Einschränkung in seiner Knöchelbeweglichkeit hat, in der Schulterbeweglichkeit oder ob er in diesem Muster wenig Stabilität besitzt. Und das können wir über verschiedene Tests machen. Wir können das über isoliertere Test machen, die wir aus der Physiotherapie und der Medizin kennen, wir können das aber auch über funktionellere Tests machen oder ganzheitlichere Tests, die in der gesamten Kette mit den Füßen auf dem Boden stattfinden. Da gibt es Functional Movement Screens, Selective Functional Movement Assessment und es geht auch gar nicht darum, welches Tool wir benutzen, aber was bei diesen Tools halt rauskommt, ist halt, dass wir rausfinden: Was kann der Athlet nicht und was kann der Athlet? Und viel zu oft stürzen wir uns auf die Dinge, die der Athlet nicht kann. In meinen Augen ist das erstens aber überhaupt gar nicht der Job eines Athletiktrainers und zweitens ist es auch gar nicht der effizienteste Weg, einen Athleten besser zu machen. 

 

 

Warum dieses Tool 2 jetzt „die niedrigen Früchte“ heißt, ist: Lass uns auf das stürzen, was der Athlet schon kann, und innerhalb dieses Kompetenzbereiches absolut Gas geben. Also ich kucke mir an: Welche Muster funktionieren bei dem Athleten? Sagen wir: „Ok, alles klar. Die einbeinige Kniebeuge funktioniert gut. Die funktioniert gut links“, dann sehen wir: „Ok, das zweiarmige Drücke nach oben funktioniert super“, und wir sehen, dass das Scharniermuster, also schwere Dinge vom Boden aufheben, gut funktioniert. Ok, super, dann haben wir schon mal 2 Dinge, an denen wir richtig gut den Athleten beladen können und ihn stärker und schneller und ausdauernder machen können. Und ich mache mir gar nicht so große Gedanken im ersten Schritt, weil wir sind erst mal bei Tool 2. Ich mache mir in diesem ersten Schritt überhaupt gar keine Gedanken darüber, was er nicht kann. Ehrlich gesagt interessiert mich das nicht und ich will auch gar nicht den Athleten mit dieser Sache konfrontieren. Ich will, dass der Athlet das machen kann, was er am besten kann, und eine kreative Lösung finden in einem athletischen Setting. Und ich versuche, das Umfeld dann zu kreieren, dass er halt in diesem Muster richtig geil viel Gas geben kann, ohne sich gebremst oder zurückgehalten fühlt. Und das Spannende, was dann passiert, ist: Wenn man sich auf die niedrigen Früchte konzentriert, also auf das, was der Athlet uns gibt, wo wir jetzt heute mit loslegen können, dann verbessern sich die Dinge, die nicht so gut sind. Und das ist auch immer mehr das, was man auch in der Physiotherapie und auch in der Medizin feststellt. Wenn wir mit dem Patienten oder dem Athleten beim physiotherapeutischen Setting – wenn wir mit dem Athleten das machen, was er kann und innerhalb dieses Kompetenzlevels, innerhalb dieser Comfort Zone arbeiten und immer uns nur ganz langsam rantasten Richtung außerhalb der Comfort Zone, dann wird seine Comfort Zone, seine Fähigkeit, sein Kompetenzlevel werden besser, wenn wir einfach nur die Sachen machen, die wird können, die uns gut liegen, wo wir eine Effizienz drin haben. Dann werden die Dinge wie limitierte Knöchelbeweglichkeit, Schulterbeweglichkeit, vielleicht schlechte Stabilität in dem und dem Muster, die werden sich zu einem Großteil aufgelöst haben, wenn wir uns das nach einigen Monaten oder in einem Jahr noch mal genau ankucken. Deswegen Tool Nummer 2 – und das ist wirklich ganz wichtig, dass vor allen Dingen wir als Athletiktrainer mit Tool Nummer 2 mit den niedrigen Früchten im Bereich der Bewegungseffizienz anfangen. 

Morgen reden wir über Tool Nummer 3 und das ist das: Wie gehen wir mit den Dingen um, die der Athlet nicht gut kann? Wie gehen wir mit einer Bewegungseinschränkung oder Effizienzeinschränkung um? Das ist aber Tool Nummer 3. Ich glaube, wenn wir es schaffen, im athletischen Setting nur Tool 1 und Tool 2 zu machen, machen wir schon einen fantastischen Job im Bereich der Risikominimierung von Ausfalltagen oder Verletzungen. Tool Nummer 3 ist ein ganz, ganz weiter Schritt von Tool 2 bis Tool Nummer 3. Und wir sollten auf jeden Fall mit Tool Nummer 2 beginnen, weil auch ein Athlet möchte gar nicht erst mit Tool 3 konfrontiert werden. Meistens ist es auch gar nicht notwendig, ihn direkt damit zu konfrontieren. Das ist eher etwas, was Backdoor, heimlich, still und leise stattfinden sollte. Am besten sogar so, dass der Athlet gar nicht groß mitbekommt, dass irgendwas mit seinem Körper nicht stimmt. Er soll einfach nur Spaß haben und Gas geben.  Möge der Flow mit euch sein. 

Tags : BehandlungBewegungseffizienzfunctional movementPhysiotherapietherapie

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