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Philosophy

Der Unterschied von Maschinen und Organismen

Bildschirmfoto 2018-09-27 um 15.15.18

Ich brauche eure Meinung, ich brauche eure Ideen. Ich schreibe nämlich gerade an einem Buchprojekt und hätte gerne eure Meinung dazu, was eure Gedanken zu diesem Thema sind. Das Thema oder die Idee dieses Themas ist eine recht simple, und zwar geht es um den Unterschied zwischen Maschinenund Organismen. Der Unterscheid zwischen einer Organisation und einem Organismus. Der Unterschied zwischen Mechanik und Organik.

Ein einfaches Beispiel dafür ist: Wenn ihr euer Auto jeden Montag für achtmal 100m volle Kanne ausfahren würdet – Sprints mit dem Auto 800m – und ihr würdet das jeden Montag machen, dann würdet ihr nicht erwarten, dass das Auto mehr PS bekommt Woche für Wochen. Verrückterweise ist das mit dem Menschen jedoch der Fall. Der Mensch schafft es, durch Belastung besser zu werden. Eine Maschine geht durch Belastung kaputt und wird schlechter.

 

 

Anderes Beispiel ist: Wenn ihr eine Maschine habt, die zum Beispiel eine Waschmaschine habt, die eine Mechanik hat, wo Gurtsysteme laufen. Je länger diese Maschine läuft, desto mehr wird sich dieses System abnutzen und wird verschleißen. Irgendwann müsstet ihr die Bauteile austauschen, während andere Dinge – zum Beispiel wir gehen barfuß über die Straße oder durch den Wald, dann werden am Anfang unsere Füße wehtun, aber je öfter wir das machen, desto besser werden unsere Füße. Das heißt, Maschinen werden mit Belastung schlechter. Organismen, wozu auch der Mensch gehört, wird mit Belastung besser. Maschinen werden schlechter mit Belastung, Menschen, Organismen werden besser mit Belastung. Das ist eigentlich ein sehr, sehr verrückter Unterschied und eine Maschine, wenn die kaputtgeht und wenn ein Bauteil verschlissen ist, dann repariert man es. Man tauscht dieses Bauteil aus. Sollte man das auch bei Organismen tun oder ist es der beste Weg für Organismen? Was ist, wenn ein Bauteil oder ein Teil eines Organismus nicht mehr funktioniert? Muss der Teil dann ausgetauscht werden? Muss der repariert werden? Oder muss der regenerieren?

 

Und worum es in diesem Buch geht, ist: Der philosophische, gedankliche Unterschied zwischen einem mechanischen Weltbild und wie man die Welt als Mechanik sieht und wie man die Welt als Organik sieht. Auch ganz bezogen auf den Menschen. In der Medizin sieht man man Menschen mechanisch, dann repariert man ihn oder sieht man ihn organisch, dann regeneriert man ihn. Und in dem Buch soll es sehr viel darum gehen, um die philosophischen Wurzeln, warum wir in der Medizin aktuell den Menschen zu einem großen Teil mechanisch sehen. Da geht es vor allen Dingen um René Descartes, ein großer Renaissance Wissenschaftler, der die berühmten Bilder gemalt hat von dem Mensch als Maschine, wo das Herz als eine Pumpe ist, die Gefäße sind Schläuche, die Muskeln sind die Hydraulik. Und das geht aber auch noch viel, viel weiter zurück. Auch René Descarteshatte seine Schule von Leuten, die ihm dieses mechanische Weltbild vermittelt haben und wenn wir das sehr weit zurückgehen, dann können wir in den ersten paar Sätzen der Bibel lesen: „Und dann hat Gott den Menschen aus dem Staub der Erde geformt“. Der hat also verschiedene Bausteine genommen, verschiedene Staubteile und hat daraus den Menschen zusammengebaut. Das heißt, der Mensch ist etwas, was gebaut wird versus wie viele östliche Philosophienes sehen: Der Mensch ist nicht etwas, was gebaut wird. Der Mensch ist etwas, was wächst. Genauso wie ein Blatt aus einer Pflanze hinauswächst, ein Blatt aus einem Baum hinauswächst, genauso ist der Mensch aus der Erde hinausgewachsen.

 

Das ist also ein grundsätzlich großer, philosophischer Unterschied und ich will in dem Buch sehr viel darauf eingehen, welche Konsequenzendas in der Medizin hat, welche Konsequenzen das für jeden einzelnen aber auch in dieser Gesellschaft hat, wie man durch das Leben gehen kann mit einer mechanischen Sichtweise und einer organischen Sichtweise. Ein einfaches Beispiel dafür ist: Ihr habt vielleicht ein Knie, was einen leichten Knorpelschaden hat. Mit einer mechanischen Sichtweise ist die offensichtliche Lösung, dass ihr Belastung vermeiden solltet, weil Belastung führt zu Verschleiß in einer mechanischen Sichtweise. Mit einer organischen Sichtweise allerdings ist die offensichtliche Lösung, dass ihr dieses Knie belasten solltet. Ihr solltet es kurz belasten und dann Zeit lassen, damit es sich regenerieren und adaptieren kann und dass der Knorpel wieder aufgebaut wird. Verrückterweise geht auch die aktuellste Wissenschaft genau in die Richtung, dass der Mensch so funktioniert. Dass nicht Schonung das Beste ist, sondern dass die Belastung mit adäquaten Pausenzeiten, das heißt, die Regeneration anstatt der Reparatur das Beste ist.

 

Mich würde einfach total interessieren, was eure Gedanken zu diesem Thema sind, was euch für so ein Buch am meisten interessieren würde, welche Erfahrungen ihr mit dem Thema habt, welche Erfahrungen ihr mit den verschiedenen Sichtweisen – Mechanik versus Organik – habt. Habt ihr sowas in eurem Leben schon erlebt? In welchen Situationen habt ihr das schon mal erlebt? Und postet eure Gedanken und Ideen einfach in die Kommentare. Mich würde das total interessieren. Ich glaube, da gewinne ich einige neue Perspektiven dazu aus eurem Leben, die ich gerne mit in das Buch einfügen würde. Also, lasst mich wissen, was ihr dazu denkt. Und bis bald.

Gerrit Keferstein, MD

Gerrit Keferstein is a Medical Doctor specialised in Performance & Functional Medicine. He is most known for his work on the optimisation of recovery and adaptation in elite athletes.

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