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Sports Performance

Der Aufbau einer Performance Kultur

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In diesem Vortrag auf der Athletikkonferenz 2018 stelle ich die 15 Tools vor, die für jeden Performance Coach und Athletiktrainer absolut entscheidend sind. Es ist eine individuelle Blaupause, die als Kompass für Qualitätssicherung und Katalysator für Kommunikation im Profisport dient.

Unter alloutperformance.de/events/ findet ihr Events auf denen ihr die 15 Tools mehr im Detail kennenlernen könnt.

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TRANSKRIPTION : 

Robert:


Denn ich habe jetzt das Vergnügen, unseren Endspurt-Sprecher anzukündigen. Und Gerrit Keferstein hat hier mehr oder weniger ein Heimspiel. Er kommt hier ganz aus der Nähe von der Sportschule Hennef. Gerrit Keferstein kenne ich eigentlich schon sehr lange und man kann sagen, wer die Branche auch länger kennt und die Entwicklung dieser jungen Bewegung hier im Athletiktraining, die ja noch nicht wirklich so alt ist. Gerrit Keferstein war einer der ersten, einer der Pioniere, und ich würde sagen, er hatte auch das erste Studio in Deutschland, was einen Kunstrasen hatte. Er hatte viele Ideen und viele Konzepte, die heute vielleicht zum Standart gehören – bekannte Marken, bekannte Methoden als erster implementiert. Er ist ein Futurist, würde ich sagen. Ein Early Adopter, der sehr weit nach vorne kuckt, der aber auch das ganz große Bild sucht. Also er ist kein Spezialist, er ist ein Synthetiker, würde ich sagen, und er hat auch einen interessanten Lebenswandel durchgemacht, denn von einem Manager, würde ich sagen, der Kulturen auch entwickeln kann, ist er jetzt ein Weltenbummler, hat seine materielle Existenz, würde ich sagen, vollkommen umgewandelt. Das bewundere ich sehr, aber er hat eben auch in den letzten 10 Jahren einen unglaublichen Erfahrungsschatz sammeln können und weiß sehr gut, wie der moderne Leistungssport sich in seinen Gefügen und Organisationsstrukturen entwickelt hat, und dieses Wissen wird er uns jetzt – oder einen Einblick. Man kann ja nur sagen, es ist ein kleiner Einblick. Das ist klar. So ein Snapshot in den 45 Minuten, die wir zur Verfügung haben. Und jetzt wird er uns einen Einblick darin gewähren mit seinem Thema „Aufbau einer Performance Kultur“. Gerrit, deine Bühne. Dankeschön. 

Gerrit: 

Danke. Ja, hallo zusammen, und ich muss auch schon sagen an die Leute im Livestream. In welche Kamera muss ich da am besten kucken? Ich war da vorgestern absolut weggehauen von der technischen Umsetzung, die auch Marek und Robert hier auf die Beine gestellt haben. Ich erinnere mich – Robert hat das schon gesagt – unsere Geschichte geht ein bisschen zurück. Es war vor irgendwie 6 oder 7 Jahren, als Marek und ich in der Kneipe in Darmstadt saßen und Marek die erste Idee dieser Athletiktrainer-Konferenz formuliert hat, bis es zu dem geworden ist, was es jetzt ist mit dieser technischen Umsetzung, high class Referenten. Ich muss nach Nick Winkelman versuchen, irgendwie noch das Level hochzuhalten. Unglaublich. Ich bin beeindruckt. Deswegen auch noch mal auf jeden Fall einen Applaus für Marek und Robert. Das ganze Team von Pullsh, für das Umsetzen von dieser geilen Konferenz. 

Wie Robert schon gesagt hat, in den letzten 12 Jahren beschäftigt mich eigentlich diese Frage: Wie baut man eine Performance Kultur auf? Und ich bin nicht hier, um euch die Antwort zu geben. Das ist der heilige Gral, nach dem ich auch suche. Ich bin hier, um euch zu zeigen, auf welchem Stand ich jetzt gerade im Moment bin. In den letzten Jahren habe ich mit vielen verschiedenen Profiteams in verschiedenen Sportarten gearbeitet. Und ich möchte euch heute 2 Werkzeugkisten mitgeben. 2 große Werkzeugkisten und die eine hat etwas mit Energie zu tun, mit Antrieb, mit Motivation, mit dem Kleber, der uns alle zusammenhält, der uns motiviert, das zu tun, was wir tun. Und die andere Werkzeugkiste, die hat was mit Struktur zu tun. Die gibt uns eine Form. Und um diese beiden Werkzeugkisten soll es heute gehen. 

In der Evolution, in der Natur und in der Menschheitsgeschichte sind ganz viele interessante Dinge passiert, aber eine Sache ist irgendwann passiert, die hat uns angefangen, vom Tier zu trennen. Und das ist das, was uns als Mensch die Möglichkeit gibt, in großen Gruppen zusammenzuhalten und an eine Idee zu glauben und auf diese Idee hinzuarbeiten. Wenn wir über Performance nachdenken, über Leistungsfähigkeit – ob es im Sport ist, in der Wirtschaft oder auch in der Wissenschaft – dann geht es ja darum, dass wir alle gemeinsam an einer Idee arbeiten, an einem Strang ziehen und das tun können. Es gab Zeiten der Menschheitsgeschichte, da haben wir auch mit anderen Menschen – verrückterweise gab es 7 Spezies von Menschen – Schulter an Schulter gelebt. Wir als Spezies Homo sapiens waren allerdings die einzigen, die eine Fähigkeit hatten, die die anderen nicht hatten. Und das ist eine Fähigkeit, die wir heute noch haben, und die treibt uns an, überhaupt den Drive für Fortschritt zu haben, den Drive nach Performance. Ohne Drive funktioniert gar nichts. Und diese Fähigkeit war der Glaube an etwas, das überhaupt gar nicht existent ist, das überhaupt gar nichts sichtbar ist. Wir können es nicht fühlen, wir können es nicht anfassen, aber tief innen drinnen – nicht hier, sondern tief innen drinnen – fühlen wir, dass es da ist. Und jeder von euch, der hier ist – wir spielen ein bisschen Glücksrad heute und es gibt ein Buch zu gewinnen. Spielt Glücksrad mit mir. Wir schauen nach dem Ding, woran wir noch hier alle glauben tief innen drinnen. Wenn ich mit euch 5 Stunden bei einem Bierchen zusammensitzen, und über die Liebe zu dem, was ihr hier tut, spreche, werden wir herausfinden, dass wir alle die gemeinsame Basis haben, nämlich dass wir an dieses eine Ding glauben. Was ist es, wofür es keinen wissenschaftlichen, klaren Beweis gibt, aber jeder Athletiktrainer glaubt daran? Wer die Antwort hat, haut sie raus und kriegt ein Buch. Woran glauben wir hier? Performance ist es nicht. 

Zuschauer:

Potenzial.

Gerrit:

Potenzial. Wer hat es zuerst gesagt? Hol dir ein Buch ab. Komm her. Einmal Applaus. Absolut.

Zuschauer:

Danke dir. Perfekt.

Gerrit:

Also, ich finde, es ist ganz entscheidend, dass wir uns das wirklich bewusst machen, dass das, was uns zusammenhält – und vor allen Dingen wenn wir darüber reden über Differenzen zwischen medizinischem Stab und Fitnessstab und Spielern, und da Konflikt und hier Konflikt, da hast du eine unterschiedliche Meinung zu den wissenschaftlichen Details uns wir können uns darüber die Köpfe einschlagen. Ja, fuck, aber was uns zusammenhält, ist der Glaube an menschliches Potenzial, der Glaube daran, dass das Morgen zumindest die Chance hat, besser zu sein als das Heute. Und das ist die Liebe, die mich antreibt, das zu tun. Wie machen Menschen das? Wie manifestieren Menschen ihr menschliches Potenzial? Wir machen das über das Spiel. Über Spiele manifestieren wir unser Potenzial und über die Interaktion mit Menschen innerhalb eines Regelwerks manifestieren wir unser Potenzial, weil da, innerhalb dieses Spiels, lernen wir uns selber kennen. Wir lernen den anderen kennen. Wir lernen unsere eigenen Fähigkeiten, unsere eigenen Schwächen, unsere eigenen Potenziale kennen. Und das Spannende ist: Wenn man sich in der Entwicklungsforschung das Spielverhalten von Kindern anschaut, dann ist da ein Prinzip, was dazwischen hängt, was entscheidet, ob ein Spiel Spaß macht, ob man motiviert ist, dieses Spiel zu spielen, oder ob dieses Spiel keinen Spaß macht. Und das ist die Chance, dieses Spiel zu gewinnen und sich dabei selbst auszudrücken. Diese Entwicklungsforschung hat auch schon bei Ratten angefangen. Wenn du 2 Ratten in einen Käfig tust, dann werden diese Ratten anfangen, miteinander zu interagieren. Und sie interagieren auf eine Art und Weise miteinander, dass sie anfangen, Bodenkampf zu betreiben. Sie rangeln. Und wenn dabei eine stärkere Ratte dabei ist, die 100% der Wettkämpfe gewinnt, haben beide keinen Spaß mehr am Spiel. Sowohl die Ratte, die dauernd verliert, hat keinen Spaß mehr und die Ratte, die dauernd gewinnt, hat keinen Spaß mehr, weil beide nicht ihr volles Potenzial ausdrücken können. Sie können sich nicht voll als Individuum präsentieren. Und der Sweet Spot liegt irgendwo zwischen 30% und 70%. Wenn eine Ratte 70% der Wettkämpfe gewinnt, hat sie Spaß am Spiel. Wenn sie maximal 30% verliert, dann hat sie Spaß am Spiel. Und das Gleiche trifft auf Kinder zu. Wenn du Kinder beim Spielen beobachtest – gibt es viel Entwicklungsforschung zu – wenn sie nur gewinnen, haben sie keinen Spaß. Wenn sie nur verlieren, haben sie keinen Spaß. Das heißt, die Interaktion dieses Spiels, das ist ein kreativer Prozess, in dem wir uns selber manifestieren können. Und bei dieser Kreativität schaffen wir aus etwas, was komplett unbekannt ist, was komplett Unbekanntes. Da ist das Spielfeld da draußen. Wir müssen irgendwie gewinnen und wir müssen eine Lösung finden und wir manifestieren das und schaffen daraus Realität. Wir formen etwas, was vorher keine Form hatte. Und dieser kreative Prozess, das ist der härteste Kern. Das ist die Liebe zum Spiel. Das ist das, was für mich der mythologische Kleber ist, überhaupt all das zu tun, was ich tue,  und ich glaube, das ist auch das, was viele von euch antreibt. Und ich finde, das liegt absolut im Kern. 

Wir müssen es also schaffen, diesen Glauben in einer Organisation am Leben zu erhalten und zum Leben zu bringen. Ihr kennt es selber, wenn ihr mit Leuten redet, dann gibt es die Situation, dass ihr dieses Leuchten in den Augen von Leuten seht. Ihr seht an der Körpersprache und ihr fühlt: „Der hat eine Idee, auf die er hinarbeitet. Da ist dieser Antrieb. Da ist diese Motivation“, und diese Motivation, die haben wir an diesem Sweet Spot. Diese Motivation, die haben wir weder wenn wir voll orientierungslos im absoluten Chaos stehen, Angst haben, Verzweiflung haben, nicht wissen, wie wir die Dinge sortieren können, keine Struktur haben. Da haben wir keine Motivation. Da sind wir verängstigt. Da sind wir wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Und genauso verlieren wir diese Motivation, wenn wir in eine Struktur gepfercht werden, wenn uns komplett alles vorgegeben wird, was wir tun müssen. Und ich glaube, das sind die beiden Endspektren, die jede Organisation vermeiden sollte, die jede Interaktion vermeiden sollte. Wenn ich mit Mattis ein kleines Gespräch habe, dann muss es darum gehen, dass wir weder komplett in der Struktur steckenbleiben, noch uns komplett im Chaos der fehlenden Definition komplett verlieren. Das findet also im Sweet Spot statt, wo wir ein Gespräch führen können, so, dass das Gespräch gewinnt und wir alle an diesem Spiel gewonnen haben. Und das ist die Motivation zur Kreativität. Das findet genau an der Grenze von komplettem Chaos zu kompletter Ordnung stattfindet. Und wenn wir so über diese ganzen Sachen nachdenken, wenn wir darüber nachdenken: Das primäre Ziel, Performance Kultur aufzubauen, hat vielleicht gar nicht was damit zu tun, etwas zu bauen. Ich baue nicht einen Athleten, indem ich Baustein 1 und Baustein 2 addiere und daraus baue ich mir meinen Athleten, sondern eigentlich hat es viel damit zu tun, dass ich ein Umfeld kreiere, in dem der Athlet genau an diesem Sweet Spot agieren kann, indem er sich nicht verängstigt fühlt ohne komplett Struktur, in dem er sich aber auch nicht komplett eingepfercht fühlt, sondern da, an dem Punkt, wo er sich entwickeln kann. Das gilt nicht nur für den Athleten. Das gilt auch für uns als Coaches. 

Und ich kann jetzt auch nur von mir sprechen: Es gab Situationen in meiner Karriere als Coach, wo ich hier war. Ich kam zu neuen Clubs und ich war komplett verloren, weil gerade wenn wir im Profisport anfangen, sehen wir, dass es um das Gewinnen geht, aber: Gewinnen? Wie? Es gibt so viele Faktoren. Wir haben alleine an diesem Wochenende über so viele Dinge gesprochen, die zum Gewinnen beitragen. Wenn ich einfach nur dieses Ziel „Gewinnen“ habe, dann bin ich hier, dann bin ich das Reh im Scheinwerferlicht. Ich werde handlungsunfähig. Paralyse durch Analyse. Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Das sind die Dinge, von denen wir dann sprechen. Ja, und auf der anderen Seite will ich aber auch kein fixes, dogmatisches – wir haben da viel darüber gesprochen am Wochenende. Nick hat es erwähnt. Mike hat es erwähnt. Ich will nicht fix eingefahren sein und das ist der Weg und kein anderer. Nein, nein, nein, ich will ein flexibles, adaptives System haben, wo sich jeder reinlassen kann. Ich will auch eine Blaupause haben. Gerade ich als Coach, wenn ich zu unterschiedlichen Teams komme – ich wechsle aus Basketball in Eishockey. Ich wechsle aus einem Eishockey-Team in ein anderes Eishockey-Team, in ein anderes Land. Ich will eine Blaupause haben, die mir von vornherein ein bisschen Halt gibt, die mir Struktur gibt, wo ich sagen kann: „Ok, das ist die Blaupause. Ich gehe jetzt Schritt für Schritt durch und entfalte mich und versuche, alle anderen dann sich entfalten zu lassen in dieser Blaupause“, und während halt dieser Glaube an das Potenzial, diese Liebe zum Spiel, dieser kreative Prozess etwas ist, was uns ein bisschen Licht in der Dunkelheit gibt – das ist ein Werkzeug für Uncertainty, wo Nick viel drüber gesprochen hat. Das ist ein Tool for Uncertainty – ist das, was ich euch jetzt vorstellen möchte, diese Blaupause. Das ist ein Tool für Struktur, ein Tool für Form, um dem Ganzen einen Rahmen zu geben. Den Rahmen möchte ich euch vorstellen, weil er für mich sehr, sehr hilfreich ist, mich auf neue Teams einzulassen und Qualitätssicherung zu betreiben. Wenn ich mit einem Team in der Situation bin oder mein Team und ich in der Situation sind, wo das in der Mitte – Gewinnen – nicht optimal funktioniert, dann möchte ich einen strukturierten Prozess haben – weil, wie gesagt, ich will nicht das Reh im Scheinwerferlicht sein – möchte ich einen strukturierten Prozess haben, wo wir sagen können: „Ok, alles klar. Lass und das runterbrechen. Woran liegt es hier eigentlich gerade?“.

Und ich glaube, wir haben als Coaches eine richtig spannende Balance. Das ist nicht Yin und Yang, weil es ist eine dritte Komponente mit dabei. Es sind 3 Faktoren, die miteinander in einem ganz interessanten Spiel interagieren, die es für uns zu managen gilt. Und damit meine ich nicht immer für uns als Individuum, sondern für uns als Team, als Organisation. Und diese 3 Faktoren sind einerseits: Ja, wir wollen unseren Athleten leistungsfähiger machen. Wir wollen sie schneller, stärker, ausdauernder machen spezifisch auf das Spiel, um das es geht. Der 100m-Sprint ist ein Spiel mit Spielregeln. Welche Faktoren braucht er? Da haben wir viel darüber gesprochen. Ich will das aber auf eine Art und Weise machen, dass es mir nicht die Chance nimmt, weitere Spiele zu spielen. Wir reden also nicht nur über Performance, sondern wir reden auch über Availability, Spielerverfügbarkeit. Ich will Leistung auf eine Art und Weise produzieren, dass es mir nicht die Chance nimmt, das auch in der Zukunft zu tun. Und der dritte Faktor – und das ist was, da habe ich vor 4, 5 Jahren viel drüber gesprochen. Da war das noch auf wenigen Konferenzen da und es wird immer mehr und es freut mich super, dass wir auch bei dieser Konferenz viel über dieses Thema gesprochen haben. Der dritte Faktor ist Anpassungsfähigkeit. Ich will die Leistungsfähigkeit auf eine Art und Weise produzieren, dass es mir nicht nur jetzt die Leistungsfähigkeit gibt, ohne die Spielerverfügbarkeit zu riskieren, sondern dass ich mir auch ein Reservoir erhalte, um auch in der Zukunft weitere Leistungsfortschritte zu machen. Es gibt eine Art und Weise, Training zu betreiben, wie ich einen Spieler besser mache ohne Verletzungen, aber ich mache es auf Kosten von: „Was mache ich denn in einem halben Jahr? Was mache ich denn in einem Jahr?“, ich kann „ausbrennen“. Das ist etwas, wo viele Assoziationen mit haben. 

Lasst uns also heute über die 15 Werkzeuge – lasst uns das „Werkzeuge“ nennen – sprechen, die ich versuche, in einem Team zu installieren. Erst mal zu kucken: Haben diese Teams das schon? Wenn nicht, installieren und dann strategisch zu kucken: Wo können wir auch weiter optimieren? Es geht also darum: Das ist für mich diese Blaupause. Es hilft mir bei der Qualitätssicherung, wenn wir in irgendwelche Probleme geraten. Es ist ein Kommunikationskatalysator. Es hilft mir, mit einem Art zu sprechen: „Hey, lass uns über die Werkzeuge der Spielerverfügbarkeit sprechen. Wie gut sind wir gerade darin? An welchen Punkten können wir uns verbessern im Kontext des Potenzials?“, im Kontext des Potenzials. Das ist noch mal ganz wichtig, dass ich diesen Punkt wirklich hervorhebe. Dieser Glaube das Potenzials, das ist der Kleber, der uns zusammenhält. Ohne den klebt nichts. Ohne den können wir nicht gut miteinander interagieren und dann brauchen wir auch nicht über die wissenschaftlichen Details von Verletzungsprävention zu sprechen, wenn wir diese Liebe zum Potenzial nicht haben gemeinsam. Es ist ein Kommunikationskatalysator und es ist die Struktur, die mir hilft, nicht das Reh im Scheinwerferlicht zu sein. Und ich war genau in der Situation. Vielleicht sind ein paar von euch dabei, die im 3. oder 4. Jahr als Athletiktrainer sind. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Man ist das Reh im Scheinwerferlicht und denkt sich: „Holy shit, so viel Verantwortung und ich weiß nicht, was ich als erstes tun soll“. Und das hilft mir dabei. 

Lasst uns über das Erste reden. Und das Erste ist da, wo viele von uns herkommen, und das ist das Thema Training. Einfach nur Training. Ob es jetzt das Spiel an sich ist oder Ergänzungstraining. Und was ich damit ganz speziell meine, ist: Training, was maximal Bock macht. Training, was maximal Bock macht. Mit Liebe, mit Selbstausdruck. Ihr kennt das alle. Und viele von euch haben genau wie ich angefangen. Genau damit. Ich habe selber Liebe am Spiel, an diesem Sport, an dieser Entwicklung gefunden. Ich bin in Teams gegangen und habe nur das gemacht. Nur das. Ich wusste nichts über Regeneration, Verletzungsprävention, aber das Ding, das habe ich gut gemacht. Warum? Weil es von hier kam. So, und dann ist Folgendes passiert: Ich habe gelernt und gelernt. Mein Kopf hat weiter funktioniert. Ich habe Dinge dazugelernt, ich habe mehr Wissen bekommen und ich habe diesen Glauben verloren. Ich habe es nicht gemerkt, dass ich es verloren habe. Im Rückblick kann ich sagen: Ich habe ihn verloren. Ich habe das Gefühl gehabt, ich wusste jetzt: Athleten müssen sich auf diese Art und Weise bewegen. Ich muss ihnen diese Struktur geben und genau so müssen sie es machen. Was ist aber dann passiert? Sie wurden eingepfercht und haben auch diese Fähigkeit, sich selbst auszudrücken als das, was sie als Mensch tief innen drinnen sind, verloren. Und deshalb: Diese Intuition dafür, wenn wir mit einem Athleten arbeiten: Wo bewegt er sich gerade? Ist er komplett verloren – Reh im Scheinwerferlicht? Oder pferche ich ihn gerade so in eine Struktur, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, ich sehe diesen wahren Menschen? Dieses 70, 30 Ding. Ich glaube, das ist die absolute Essenz. Ich glaube, jeder von euch hat das tief in sich drinnen, und wir neigen aber auch alle dazu: Je mehr wir über Wissen und Fakten und Evidenz reden und mehr versuchen, ihn in eine Form zu pressen, neigen wir dazu, diese Balance zu shiften. Und ich habe mir geschworen, ich will das nie wieder tun. Ich glaube, das ist die absolute Essenz von dem, was uns als Menschen zu unserem Potenzial bringt. Deswegen meine ich nicht spezifisch nur Training, sondern das „Maximal Bock“ Prinzip – so hat es Dominik Suslik genannt – dass wir das im Training aufrechterhalten. Bock, Liebe zum Spiel und zu der Bewegung. Das heißt, Drills konzipieren – und da hat Nick in den letzten Jahren viel darüber gesprochen: Constraints-lead Approach – ihm eine grobe Form geben – das sind die 70% – aber die Lösung muss er selber finden. Das sind die letzten 30% der Self-Expression. Wenn wir über Stabilitäts- oder Koordinationstraining reden: Ihn in eine Position bringen, wo er 7 von 10 Wiederholungen kann, wo er sich komfortabel fühlt, aber die 3 – fuck, damit muss er struggeln. Da muss er das Gefühl bekommen: „Ich rieche mein Potenzial“. Die Karotte. Genau.

Das nächste – ok, wenn wir das haben, wenn wir diese Dynamik – wenn wir in den Kraftraum kommen oder auf das Feld – wir wissen das sofort. Wir spüren das, ob diese Dynamik da ist. Wenn wir die haben, ok, cool. Jetzt lass uns ein bisschen quantitativer darüber reden: Erreichen wir überhaupt das, was wir uns vorgenommen haben? Leistungsdiagnostik. Das ist der nächste Step, das nächste Werkzeug, was ich installieren möchte. Leistungsdiagnostik und Profiling. Weil Leistungsdiagnostik ist das eine. Leistungsdiagnostik beutet: Was möchte ich erreichen? Und diesen Parameter teste  ich. Einfaches Beispiel: Sprungkraft. Leistungsdiagnostik ist, den Athleten zu messen, wie hoch er springt. Und das ist wichtig, weil es für mich sagen kann: „Habe ich Erfolg in dem gehabt, was ich getan habe, oder nicht?“, aber nur die Sprungkraft zu messen, sagt mir nicht, wie ich den Athleten jetzt trainieren muss, damit wir die nächsten Schritte machen können. Ich brauche Kontext. Und ein einfaches Beispiel im Kontext Sprungkraft: Die Sprungkraft steht in einem Kontext. Nur die Sprungkraft zu wissen, sagt mir was, aber sie sagt mir nicht wie. Der Kontext, das ist das Profiling. Wir wissen was über die konzentrische Kraft. Wir wissen was über die Maximalkraft. Mike hat viel darüber gesprochen über die Zusammenhänge von diesen Dingen. Wir wissen was über das Körperfett und das Körpergewicht. Und das Spannende ist: Wenn ich jetzt 10 verschiedene Athleten habe und alle haben zu wenig Sprungkraft im Vergleich zu dem, wo ich hin will, können daraus aber auch 10 verschiedene Trainingsprogramme resultieren. Das heißt – das wissen viele von euch – es gibt nicht das Sprungkraft-Programm, sondern es können 10 verschiedene Programme resultieren. In dem Beispiel vielleicht 5 oder 6 verschiedene Programme. Ist Körperfett ein limitierender Faktor in der Kette? Körpergewicht? Maximalkraft? Relativkraft? Das ist das, was mir wichtig ist, in einem Team zu etablieren. Nicht nur die Leistungsdiagnostik, sondern ein adäquates Profiling, um diesen Kontext zu bekommen. Wir können uns das in verschiedenen Bausteinen ankucken. Was ist die Bewegungseffizienz als Fundament von aller Bewegung? Welche Rolle spielt die Biochemie dabei? Da gehen wir aber gleich noch ein bisschen drauf ein als Unterfütterung, um überhaupt Leistungsfähigkeit adaptiv produzieren zu können. Was sind die Power-Parameter? Was sind die Körperkompositionsparameter, die den Athleten entweder davon abhalten, die Sprungkraft zu produzieren, oder auch ein Vorteil sein können? In der Kraftdiagnostik – ein einfaches Beispiel, was für uns vor 4, 5 Jahren auf jeden Fall ein ganz wichtiger Schritt war, war nicht so zu sagen: Was ist seine Maximalkraft? Sondern auch – und das hat Mike auch viel gesagt – wie viel Zeit braucht er denn, um verschiedene Kräfte auszuüben? Wie viel Zeit? Mit welcher Geschwindigkeit kann er 20kg bewegen? Wenn wir jetzt nur über das einfache Beispiel Sprungkraft reden. Mit welcher Geschwindigkeit kann er 40kg bewegen? Mit welcher Geschwindigkeit kann er 60kg bewegen? Und daraus ergibt sich halt ein Kraft-Geschwindigkeits-Profil. Und daraus ergibt sich dann: Wird der profitieren von Maximalkraft oder hat er die schon genug und wird profitieren von Schnellkraft? Das gibt mir den Kontext, um den ersten Schritt der Individualisierung betreiben zu können. Und daraus können wir dann einen Flow kreieren. Das ist jetzt der aktuelle Flow, wie wir  ihn im letzten Jahr benutzt haben, wie man von der Leistungsdiagnostik über das Profiling in Trainingspläne auch spezifisch oder in individuelle Trainingsresultate oder Trainingskonsequenzen reinkommen kann. 

Das ist eine Sache, die habe ich vor 5, 6 Jahren von Fergus Connolly kennengelernt und es hat meine Sicht auf meine Arbeit als Coach komplett verändert: Start at the Game. Start at the Game bedeutet philosophisch: Womit fangen wir an, wenn wir darüber nachdenken, was wir eigentlich erreichen wollen? Ja, und ich, wie wahrscheinlich viele andere, kam aus dem American Football, aber für mich war der Einstieg Athletik, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und dann habe ich da angefangen bei der Athletik. Bin in Basketball gekommen, habe gekuckt: „Ok, wo brauche ich Kraft im Basketball? Wo brauche ich Schnelligkeit und welche brauche ich im Basketball?“, von unten nach oben da hingearbeitet. Genauso beim Eishockey. Von da nach da. Und dann hat Fergus dieses eine Ding gesagt: „Gerrit, bei allem, was du tust, Start at the Game“, und was ich damit sagen will, ist: Wir müssen bei der Spielidee anfangen, weil daraus resultiert alles andere, was wir im Trainingsprozess tun wollen. Daraus resultiert alles andere, was wir im Trainingsprozess tun wollen. Eine bestimme Spielidee hat ganz enge, taktische Voraussetzungen, um diese Spielidee umsetzen zu können. Und da sind sehr viele Coaches sehr unterschiedlich. Aber wenn es einen gibt, der in der ganzen Organisation weiß, was man tun muss, um Spiele zu gewinnen, dann ist das der Head Coach. Der macht sich vielleicht die letzten 10, 20, 30 oder 40 Jahre über nichts anderes Gedanken als: Mit welcher Spielidee können wir Spiele gewinnen? Und seitdem ich auf diese Art und Weise an das Thema herangehe, ist das Gespräch mit dem Head Coach das absolut Essentiellste, womit der ganze Trainingsprozess beginnt. Wir fangen bei der Spielidee an. Die hat bestimmte taktische Voraussetzungen. Für eine bestimmte taktische Umsetzung brauche ich technische Voraussetzungen. Diese technischen Voraussetzungen erfordern eine gewisse Physis und daraus kann ich dann meine Key Performance Indicators bilden. Bevor ich also anfange, zu sagen: „Wir brauchen Kraft im Eishockey“, fuck, nein, brauchen wir vielleicht gar nicht mit diesem Team. Welche Spielidee haben wir? Ein interessantes Beispiel: In Österreich hatten wir letztes Jahr einen Coach, der hat Eishockey auf eine Art und Weise gespielt, was sehr viel gedankliche Ruhe und Explosivität erfordert hat. Spieler – für die, die vielleicht schon mal Eishockey ein bisschen verfolgt haben – gerade die Stürmer, die warten vorne an der blauen Linie auf den entscheidenden Pass und dann ist es ein 7m, 8m, 9m, 10m Antritt für den Puck und dann wird der Pass ferngespielt und das ist die Spielidee, um Tore zu erzielen. Diese Jahr ist die Spielidee eine komplett andere: Die Stürmer kommen von hinten heraus und skaten und skaten und skaten viel mehr. Dementsprechend ist das Training dieses Jahr auch anders als letztes Jahr. Die Art und Weise, wie wir mit den Spielern kommunizieren ist eine andere. Ich habe gesagt, letztes Jahr ging es viel um Ruhe, kontrollierte Entscheidungen, Explosivität, Präzision. Dieses Jahr geht es um Grinden. Es geht darum, das durchzusetzen gegen andere. Das ist eine andere Mentalität, andere KPIs, die daraus resultieren, andere Trainingsformen, die daraus resultieren. Und wenn wir jetzt innerhalb einer Organisation nicht nur über das eine Team und das eine Spiel nachdenken, sondern versuchen, das Spiel auf eine Art und Weise zu spielen, dass wir auch das nächste Spiel und das nächste Spiel und das nächste Spiel und die Saison darauf und die Saison darauf gewinnen können und erfolgreich sein können, dann entsteht daraus eine Philosophie. Und diese Philosophie ist halt das, was uns in Entscheidungen treibt: „Setzen wir jetzt den Starspieler, der sich letzte Woche danebenbenommen hat, nächste Woche ein oder nicht?“, und das ist das Meta Game. Was setze ich dieses Spiel auf das Spiel? Auf wie viele Kosten der nächsten Spiele will ich das tun? Daraus resultiert die Philosophie und das Gespräch mit dem Sportdirektor, mit dem Coach und da gemeinsam zu verstehen, wo wir uns auf diesen Ebenen bewegen, was wir tun wollen, welche Kosten wir eingehen und was für uns das Meta Game bedeutet und wie viel Wert uns das einzelne Spiel ist. Das bestimmt die Spielidee und daraus resultiert alles andere. Manchester City – erste Mannschaft. Spielidee ist: Spiele gewinnen, koste, was es wolle. Jedes Spiel komplett gewinnen. Jedes einzelne Spiel. Das sieht anders aus in der Manchester City Jugendakademie. Das sieht anders aus in einem Entwicklungsfußballclub in Deutschland. Zweite Liga, dritte Liga. Hannover-96-Akademie. Das ist eine andere Philosophie. Daraus resultiert ein anderes Training. 

Das nächste Tool – da möchte ich nicht so viel darauf eingehen, deswegen ist es ein bisschen unsichtbar. Ich möchte es nur kurz erwähnen. Das ist ein strategischer Zielsetzungsprozess mit dem Athleten und dem Coach, wo wir uns zusammensetzen und gemeinsam – nicht: Ich sage das Ziel und du musst es jetzt umsetzen, sondern gemeinsam ein Ziel für seine Zukunft entwickeln und dann mit extremer Verbindlichkeit – das ist der zweite Teil dieses Werkzeuges – da dranbleiben. Nicht loslassen. Unser eine Coach hat immer gesagt: „Wir müssen wie ein Pitbull da dranbleiben. Wenn er dieses Ziel formuliert, dann müssen wir ihm helfen, das immer wieder und immer wieder auf die Agenda zu bringen“, das Ziel ist es, das Ziel als Ziel im Auge zu behalten, es nicht zu verlieren. 

Die fünfte Komponente – und die können wir in meinen Augen erst machen, wenn wir die ersten 4 Komponenten gemacht haben oder zumindest halbwegs installiert haben – dann resultiert Program Design daraus. Und damit meine ich nicht nur Trainingsplanung, sondern Program Design hat auch was mit Management von: Wann werden Pressetermine gelegt? Program Design hat auch was damit zu tun: Haben wir das adäquate Essen als Ressource für das, was er als Leistungspotenzial entwickeln soll? Das ist Program Design. Da ist Trainingsplanung ein Teil davon. Das war das große Konzept Leistungsfähigkeit. 

Und jetzt passiert was, was mir in den ersten 2 Jahren im Profisport extremst aufgestoßen ist und was viele von euch kennen. Man kennt es aus der Sportwissenschaft oder aus vielen Dingen, die man so gelernt hat in Fortbildungen, dass ein Trainingsprogramm oder ein bestimmter adaptiver Stimulus, ein Trainingsreiz zu einem bestimmten Resultat führt. Ich setze also einen Maximalkrafttrainings-Reiz, der führt zu einem Maximalkrafttrainings-Resultat. Input gleich Output. Und jeder von euch, der viel Praxiserfahrung gesammelt hat, weiß, dass das nicht so ist. Der weiß, dass das gleiche Trainingsprogramm beim gleichen Individuum einmal zu positiven Resultaten führen kann und einmal zu negativen Resultaten. Einmal führt der Stressor zu einer Anpassung, einmal führt dieser gleiche, exakte Stressor nicht zu einer Anpassung. Das heißt, diese Newton-Mechanik funktioniert hier vielleicht ja gar nicht. Da muss noch irgendwas dazwischen sein. Ein Faktor, den es bei Maschinen nicht gibt. Das ist das adaptive Reservoir. Das adaptive Reservoir ist etwas, was relativ abstrakt und schwer zu greifen ist am Anfang. Ein Beispiel habe ich für euch, was für mich sehr, sehr einleuchtend war – vielleicht auch, weil ich ein riesiger Fan von Ameisen bin. Dieses Beispiel kommt aus der Ameisenwelt. Ein Ameisenbau ist in 3 Leveln organisiert. Das unterste Level – ganz tief unten drinnen – ist die Königin mit Arbeiterinnen, die die Königin versorgen. Das oberste Level des Ameisenbaus sind Soldatinnen und Arbeiterinnen, die oben an der Oberfläche wuseln und auch Essen ranholen. Food Foragers. Die holen Essen und bringen es zur Königin. Das mittlere Level eines Ameisenbaus – und das sind quantitativ ungefähr 30% bis 40% aller Ameisen dieses Ameisenbaus – wisst ihr, was die machen? Nichts. Die machen nichts. Die machen rein gar nichts bis zu dem Zeitpunkt, wo jemand wie ich gedankenverloren durch den Wald streicht, vom Ameisenbau ein bisschen wegtritt und dann sagen sie: „Ok, das ist unsere Stunde jetzt“, dann kommen die rauf, nachdem dieser äußere Stressor, dieser Stressfaktor „Gerrit tritt dagegen“ gekommen ist, kommen die hoch, reparieren und machen den Ameisenbau an dieser Stelle stärker. Das ist unser Immunsystem. Das macht das Gleiche. Im besten Fall macht unser Immunsystem nichts. Das ist unser hormonelles System. Ein großer Teil der steroidalen Hormone, der Testosteronhormone sind dafür da, erst mal nichts zu tun, bis die gebraucht werden als Reservoir. Das sind die, die uns besser machen. Das hier in der Mitte ist das, was uns als Mensch, als Organismus von einer Maschine komplett, prinzipiell im Fundament unterscheidet. Wenn ihr euer Auto jeden Montag 6-mal 200m ausfahrt – ihr macht also 6-mal 200m-Sprints mit eurem Auto jeden Montag und das macht ihr für Monate und dann macht ihr einen Retest, oben er mehr PS bekommen hat, euer Wagen. Keiner von uns würde ansatzweise glauben, dass er mehr PS bekommen hat. Aber das ist ja spannend, weil wir haben einen Stressfaktor ausgelöst. Bei Menschen – es wird besser. Maschinen sind anders. Maschinen funktionieren so, dass sie bei Stressfaktoren immer schlechter werden. Maschinen haben keine Chance, auf Stress mit einer positiven Anpassung reagieren zu können. Stress macht mechanistische Systeme schlechter. Der Mensch ist ein organisches System und das adaptive Reservoir – das ist das, was dazwischensteht – gibt uns die Möglichkeit, durch Stress besser zu werden, wenn wir dieses Reservoir haben. Und ein großer Teil dieser Anpassungsfähigkeit, dieser Adaptability, ist, genau dieses Modell auf dem Schirm zu haben als Coach, als Athlet, als Organisation. Schau, viele Dinge in der Medizin – wenn wir uns überlegen: Stress macht eine Maschine schlechter. Ja, ich fahre mein Auto aus, es wird schlechter, und je mehr Kilometer, desto weniger Wert. Dann macht es auch medizinisch, wenn ich so darüber nachdenke, total Sinn, einem Patienten mit Knieproblemen zu sagen: „Lauf nicht so viel“, oder: „Ruh dich aus“, oder: „Ruhe ist die Antwort“, aber mit der organischen Sichtweise, mit der Sichtweise des adaptiven Reservoirs macht das überhaupt keinen Sinn. Dieses kognitive Bias, was Nick eben erwähnt hat mit den Hamstring Injuries, das ist genau das. Das Modell „Mensch als Maschine“ hat sehr lange sehr, sehr gut funktioniert, aber es ist nicht ausreichend, um eine athletische Performance zu erklären. Wir brauchen ein neues Modell dafür. Das ist das organische Modell. Und dabei geht es um dieses Konzept Adaptability. 

Ok, Shit, ich habe jetzt 24 Spieler vor mir und ich soll mit denen organische Systeme und mechanische Systeme sprechen und Systemtheorie versus lineare Mechanik. Das geht nicht, nein. Wir brauchen irgendwas Cooles. Wir brauchen was Einfaches. Was Einfaches, um dem Spieler ganz schnell zu verdeutlichen, worum es hier geht. Wir nutzen den Superhelden Wolverine. Der Superheld Wolverine ist aus der Marvel Superhelden-Reihe und das, was er besonders gut kann, ist, dass er sich richtig gut regeneriert. Er hat noch eine andere Fähigkeit. Er kann nämlich diese Klauen ausfahren. Und wer weiß, aus welchem Material die sind, krieg noch mal ein Buch. Das ging schnell. Aber die besondere Fähigkeit von Wolverine ist, dass er sich regenerieren kann. Er hat adaptives Reservoir ohne Ende. Das ist wahrscheinlich das Einzige, was Wolverine von einem Menschen unterscheidet – ist, dass das bei ihm viel, viel krasser ist als bei uns. Und  das ist das Project: Wolverine als Einführung. Das will ich in jedem Team installieren als Einführung, um dieses Konzept – dass wir da verstehen, worum es hier geht. Als Mediziner, als Therapeuten, als Athlet. Das fängt mit einfachen Dingen an wie: „Wir kennen Workouts, aber kennst du auch Workins?“, wir kennen Workouts. Wir wissen, was er aus diesem Reservoir rauszieht. Das kennen wir alle. Aber kennen wir auch Workins? Das ist etwas, was ganz wichtig ist, zu installieren. Was sind unsere Workins? Workouts easy, aber Workins? Uns das in eine Balance zu bringen. Das fängt an mit den einfachsten Dingen. Und ich finde es amazing. Ich finde es faszinierend, wie oft – und da muss ich mich mit einschließen – wie oft wir darüber nachdenken über die Messung von Regeneration oder die spezielle Mikrokomposition. Wir haben gestern über eine Ashwagandha Wurzel aus Ostindien oder Westindien – wenn wir noch nicht den Schlaf zum Bespiel gemanagt haben, dass wir es geschafft haben, dass ein Athlet und wir selber komplett 9 Stunden schlafen, dass wir die Ernährung in ihrer Basisform noch nicht draufbekommen haben. Ich glaube, da brauchen wir über so komplexe Dinge wie Monitoring und alle weiteren Tools noch gar nicht groß nachzudenken. Und weil das so etwas ist, was viele so auf die leichte Schulter nehmen, so: „Ja, das mache ich dann schon irgendwann“, weil sie sich „zu cool“ sind, sich um den Schlaf zu kümmern, sich um die Basisthemen der Ernährung zu kümmern, deswegen haben wir es einfach Badass Basics genannt. Damit können die Spieler besser agieren. Die können damit besser handeln, sagen: „Ok, ich mache erst mal die Badass Basics“, und die Badass Basics sind die 4 Vitamine. 

Vitamin S: Schlaf. Schau, wir haben schon mal ein bisschen über Evolution gesprochen heute. Erst mal: Evolution ist das beste System, was wir kennen, um die Dinge, die scheiße sind, rauszufiltern, und die Dinge, die gut sind, weiter zu behalten. So, und jetzt hat die Evolution sich an irgendeinem Punkt dazu entwickelt, dass ein Lebewesen Fortpflanzung, Nahrungssuche und die Fähigkeit, sich zu verteidigen, aufgegeben hat, um komplett wehrlos irgendwo zu liegen. Das war ein evolutionärer Vorteil. Da scheint irgendwas ziemlich Wichtiges dran zu sein. Und es sind vor allen Dingen 2 Dinge. Einerseits regeneriert Schlaf unsere Physis. Wenn wir nur eine Woche schlafen, haben wir die Dosis an Testosteron und Wachstumshormonen, was auf dem Schwarzmarkt richtig viel Kohle kosten würde. Wir wissen aus Untersuchungen, dass wenn ein Mensch anstatt 9 Stunden nur 5 Stunden schläft für nur 1 Woche, dass sein Testosteronspiegel so weit sink, als wenn er 10 Jahre älter geworden ist. Das ist das Stressreservoir. Das ist das adaptive Reservoir, was uns ermöglicht, überhaupt Fortschritte zu bekommen. Wachstumshormon, Testosteron, aber andererseits psychische Regeneration. Ich erkläre es oft als: Hey, stellt euch euer Zimmer vor. Der ganze Boden ist verteilt mit roten, pinken, blauen, grünen Socken. Im Schlaf passiert nichts anderes als: Die grünen kommen zu den grünen Socken. Die blauen zu den blauen. Die roten zu den roten. Wenn Nick über kognitive Biases spricht und Struktur im Denken – das Erste, was verloren geht, wenn wir nicht schlafen, ist die Struktur im Denken, Klarheit. Das ist weg. Wer von euch schon mal mit Alkoholikern gearbeitet hat, weiß, dass da klares Denken sehr, sehr schwer wird, weil Alkohol die Traumphase reduziert, die dafür verantwortlich ist, genau diese Strukturen, diese Ordnung reinzubringen. Es bringt Ordnung und Bewegung rein. Wir wissen, wenn wir Mäuse beobachten, wie sie durch ein Labyrinth versuchen zu rennen und sie versuchen, die Lösung für dieses Problem Labyrinth zu bekommen, dann sind bestimmte Gehirnmuster in ihrem Gehirn aktiv, die wir abgreifen können. Die haben dann vielleicht eine Frequenz von – während die durch dieses Labyrinth rennen. Wenn wir die Mäuse jetzt schlafen lassen und weiter die Gehirnfrequenz beobachten, sehen wir das gleiche Muster in 9-facher Geschwindigkeit. Und beim Menschen auch. Wenn du Piano übst und du hast ein Stück, woran du struggelst – du übst es, aber kannst es noch nicht ganz, schläfst du und dann wiederholt dein Gehirn dieses Muster in 9-facher Geschwindigkeit. Es testet Dinge, die funktionieren, und Dinge, die nicht funktionieren. Träumen ist eine Simulation der Realität. Und am Ende wachen wir auf und haben die bessere Option. Wir können am nächsten Morgen Matheaufgaben besser lösen als am Abend vorher. Wir können am nächsten Morgen besser Piano spielen als am Abend vorher. Wir werden durch Schlaf besser. Es ist nicht einfach nur Pause und nichts tun. Wir werden besser. Und diese Essenz – 9 Stunden, innerhalb von 15 Minuten einschlafen, komplett durchschlafen, aufwachen – das ist die absolute Essenz für die Regeneration und ich glaube, es gibt noch viel zu viele Situationen, wo wir uns dabei erwischen müssen, dass wir das noch nicht wirklich mastern und aber schon versuchen, an irgendwelchen Details zu arbeiten, die vielleicht gar keine so große Rolle spielen. 

Das zweite: Vitamin F: Nahrung. Und da glaube ich auch nicht, dass wir es als Coaches, als Athletiktrainer immer selber machen müssen, sondern es geht bei all diesen Tools immer nur darum, dass wir als Organisation diese Dinge abgedeckt haben wollen. 

Vitamin R sind Restorationsmaßnahmen. Die Basis-Restorationsmaßnahmen, von denen wir wissen, dass sie wertvoll sind – Hitze, Kälte, Massagen – dass wir das in den strukturierten Prozess reinbringen. 

Und Vitamin M: auch die Basis-Mikronährstoffe, von denen wir wissen, dass sie einen positiven Effekt haben. Magnesium, Vitamin D, Zink. Alles andere geht über die Basis hinaus und ist sehr individuell, aber lasst uns die Basis hinbekommen. 

Eine Sache, die ein guter Einstieg ist, wenn ihr euch fragt: „Wie kann ich mit einem Team beginnen?“, macht einen 5-Minuten-Vortrag, nicht mehr. 5 Minuten vor dem Team vielleicht am Beginn der Trainingswoche. Erzählt ihnen von Wolverine und sagt: „Hey, 100 Punkte für Wolverine. Schaut mal, ob ihr die hinbekommt“, für mich waren es diese Dinge, für die ich Punkte verteilt habe. Jeder von euch hat vielleicht ein paar andere Strategien. Für 9 Stunden Schlaf gibt es 25 Punkte. Für jede Stunde weniger 10 Punkte Abzug. Große Priorität. Wasser, Frühstück, Recovery Shake, ein kleiner Mittagsschlaf, eine Kontrastdusche – heiß, kalt, heiß, kalt – das gibt alles Punkte. Schaut, dass wir die Basis hinbekommen. 100 Punkte für Wolverine jeden Tag und dann kann ich, nachdem ich den 5-Minuten-Vortrag gemacht habe, für die 2, 3 Wochen danach jedes mal durch die Kabine gehen und sagen: „Hey, wie viele Punkte hast du heute?“, und das Spannende ist ja nicht nur, dass sie anfangen, ein paar Dinge zu tun – das Wichtigste für mich ist: Es generiert Fragen. Das Wichtigste für mich ist: Es generiert Fragen. Spieler kommen mit Fragen, sagen: „Hey, warum ist das so wichtig? Hey, was kann ich noch tun? Ich kann nicht einschlafen“, und diese Fragen sind der fruchtbare Boden für Wachstum. Das ist dann wieder Self-Expression, wo sich jeder ausdrücken kann, ich mich ausdrücken kann, der Spieler sich ausdrücken kann. 

Das Dritte ist dann erst Monitoring. Ganz ehrlich? Mich interessiert Monitoring einen Scheißdreck, wenn ich nicht Wolverine und die Badass Basics drinnen habe. Brauche ich auch nicht. Wozu? Weil ich kann ja am Monitoring feststellen, dass wir nicht regenerieren. Ja, gut, aber wenn ich doch nicht den kommunikativen Kanal eröffnet habe mit Spielern, wie man denn regeneriert und welche Modifikationsmöglichkeiten man hat, brauche ich doch kein Monitoring. Und generell Monitoring versuche ich immer, in 3 Ebenen hinzubekommen. Zentrales Nervensystem, muskuläres System, hormonelles System. Wir sollten uns lösen von der Idee, dass Regeneration eine Kurve ist oder ein Ding. Das hat Val gestern auch schon angedeutet. Das findet auf verschiedenen Ebenen statt. Auf ganz vielen verschiedenen Ebenen. Und als ein Modell, mit dem wir anfangen können, ist: Das zentrale Nervensystem hat andere Dinge, die ermüden, als das muskuläre System. Dazu muss man nur mal ein intensives Sprungkraft-Workout machen. 3 Sprünge mit leicht erhöhtem Gewicht, 20 Sätze. Am Ende geht man raus und sagt: „Das war easy“, aber man wird diese Sprungkraft nicht wiederholen können in den nächsten 3, 4, 5 Tagen und wird müde Beine haben in der hochfrequenten Aspekteerschöpfung, während man, wenn man Muskelaufbautraining macht und ich mache jetzt 12 Wiederholungen – ich mache 4 Sätze davon – dann wird das den hochfrequenten Anteil meines Nervensystems gar nicht so erschöpft haben, aber den niederfrequenten Anteil. Dann gehe ich die nächsten paar Tage die Treppen hoch und denke mir: „Alter, habe ich schwere Beine“. Das ist beim Sprungkrafttraining vielleicht nicht so. Das sind unterschiedliche Mechanismen, die da abgehen. Und die dritte Ebene ist das hormonelle System, was vor allen Dingen erschöpft wird, wenn wir nicht schlafen und die ganze Zeit nur Balls to the Wall intensives Training machen. Ja, und das sind 3 Ebenen, die da abgehen. Ich versuche, meinen Daumen auf diese 3 Ebenen zu bekommen.

 

Tool Nummer 4: Belastungsmanagement. Da gehe ich heute auch nicht intensivst drauf ein, weil das auch was ist, was zum Beispiel auf der letzten Athletiktrainerkonferenz durch Tim Gabbett viel behandelt wurde. Einfach nur die Frage: Ich habe am Ende meiner Gleichung Monitoring. Also wie regeneriert ist der Athlet? Dazwischen habe ich irgendwie den Athleten, aber als Input habe ich auch noch was. Was habe ich in den Athleten reingesteckt? Wie hat der Athlet das verarbeitet und was ist dabei rausgekommen? Das sagt mir Monitoring. Aber was habe ich reingesteckt an Stressfaktoren? Das sagt mir Load-Management. Das kann über komplexe Dinge wie GPS et cetera stattfinden, aber eine der validesten und einfachsten und kostengünstigsten Möglichkeiten ist einfach der Rate of Perceived Exertion. Von 0 bis 10 – wie intensiv war die Belastung gerade? Extrem valide, wenn man es im Kontext Laktatwerte während einer Belastung sieht, im Kontext Herzraten während einer Belastung. Einfach die einfache Frage: 0 bis 10 – wie intensiv war das heute? Das mit der Minutenzahl multiplizieren. Das ist das Erste, was ich installieren möchte, sobald ich in einem Team bin, wenn es um Load-Management geht. 

Das Fünfte – und es gibt nur 2 Teams, wo ich jemals an diesem Punkt auch war – da geht es um Lab-Management. Lab-Management, da geht es dann darum, auch mit dem Mediziner in Zusammenarbeit sich ganz spezielle Laborparameter anzukucken. Wie ist die Nährstoffversorgung? Wie ist die hormonelle Situation? Wie ist die Situation des Immunsystems? Wie ist die Situation im Magen-Darm-Trakt? Und auch hier mal wieder: Das geht nicht darum, dass das der Athletiktrainer macht. Wir reden hier über Aufbau einer Performance Kultur. Was muss die Organisation oder der Organismus des Clubs abdecken, wenn wir nach ganz oben wollen?

Kommen wir zum dritten großen Bereich, den es zu balancieren gibt. Wir hatten Leistungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, aber jetzt noch Spielerverfügbarkeit. Und bei Spielerverfügbarkeit das Erste, was wir tun sollten, das Erste, was ich immer versuche zu tun, ist einfach ein Injury Report raufzubekommen. Erst mal eine Zahl draufzubekommen: Welche Verletzungen haben wir eigentlich gerade? Wie viele haben wir? Welche Arten der Verletzungen kosten uns im Schnitt wie viele Ausfalltage? Wo haben wir den größten Impact an Verletzungen? Wo ist der größte Injury Impact? Und da können wir dann anfangen, zu handeln. Das ist genauso wie mit den Finanzen. Das Erste, was wir tun sollten, um mehr Geld zu haben auf unserem Konto, ist, jeden Tag auf das Konto zu schauen. Einfach nur jeden Tag auf das Konto zu schauen, wird schon dazu führen, dass wir vielleicht hier und da ein bisschen weniger Geld ausgeben, vielleicht hier und da den ein oder anderen Euro sparen. Einfach nur auf das Konto zu schauen. Und das ist genau das Gleiche. Ein Injury Report hilft mir, einfach nur jede Woche mit dem Mediziner, mit dem Physio einfach nur auf das Konto zu schauen, und daraus entstehen fantastische Gespräche. Auch das hier ist wieder ein Kommunikationskatalysator. Wenn ihr noch keine führt, bitte unbedingt damit anfangen, weil das führt auch dazu, dass wir geile Gespräche noch führen können. Das ist ein Kommunikationskatalysator auch zwischen uns allen. Dann können wir darüber sprechen: „Hey, du, ich habe Probleme mit Hamstring Injuries. Ich habe durchschnittlich 44 Ausfalltage durch Hamstring Injuries. Wie handelst du das? Weil du hast mir erzählt, du hast nur 12“, das ist ein Kommunikationskatalysator. Unter alloutperformance.de/injuryreport könnt ihr euch eine Vorlage runterladen. Das ist die exakte Vorlage, die wir benutzen, um auch auf so eine Auswertung zu kommen. Das ist jetzt aus dem Eishockey, das heißt, wer nicht aus dem Eishockey kommt, kann das vielleicht nicht da unten nutzen. Analyse nach 1., 2. Drittel oder ist es in der Overtime passiert? Wo auf dem Feld ist es passiert? Aber das könnt ihr auf jeden Fall nutzen. Welche Areale haben es betroffen? Wie viele Gesichtsverletzungen haben wir? Wie viele Schulterverletzungen? Welche Art der Verletzung war es? War es muskulär, neuronal, knöchern? Und auf dem Link sind auch weitere Verletzungsstatistikvorlagen verlinkt, die die Berufsgenossenschaft rausgegeben hat für verschiedene andere Sportarten. Fußball,  Basketball, Eishockey, Volleyball. 

Das Zweite im Bereich Availability, Spielerverfügbarkeit ist eine Bewegungseffizienzanalyse. Wie gut bewegt der Athlet sich? Aber dabei vor allen Dingen der Fokus auf: Was kann er? Nicht: Was kann er nicht? Das interessiert mich erst mal nicht, sondern: Was kann er? Welche Fähigkeiten präsentiert er mir, wo wir sofort loslegen, wo wir sofort Gas geben können? Kann er sprinten? Ok, gut, dann ist Sprinten schon mal ein Mittel, mit dem wir trainieren können. Kann er Kniebeugen? Ok, das ist schon mal ein Mittel, mit dem wir arbeiten können. Ich habe selber den Fehler begangen, dass ich mich zu früh darauf fokussiert habe: Was kann er nicht? Ich habe mich darauf fokussiert: Was kann er nicht? Wie fixen wir das? Wie können wir die Knöchelbeweglichkeit – please, nein, das ist erst mal überhaupt nicht relevant. Spannenderweise ist, wenn man sich auf das fokussiert, was der Athlet kann, was er uns präsentiert, wo ich grüne Ampeln habe – aus den Bewegungstests kann ich ja ableiten: Welche Bewegungen, welche Mittel des Trainings sind mir verfügbar? Da, wo er grüne Ampeln hat, da lege ich erst mal los. Und das Spannende, was dann passiert, ist: Nach ein paar Monaten lösen sich vielleicht auch die Dinge, die er nicht konnte, einfach auf, wenn ich das Training auf eine Art und Weise gemacht habe, wo der Athlet sich entfalten konnte. Wenn ich natürlich exakt vorgebe, wie er sich zu bewegen hat, wird das nicht passieren, weil wenn es eine Spielform ist, in der er sich entfalten kann innerhalb seiner grünen Ampel, innerhalb der Bewegungseffizienzmöglichkeiten, die er mir bietet, sind viele von den Dingen, die vorher vielleicht ein Problem waren oder eine Dysfunktion, vielleicht schon weg. Und es ist auch psychologisch ein ganz wichtiger Faktor, erst mal da anzufangen, was er kann. Und da legen wir los. Da holen wir uns das Potenzial raus. Viele Dinge können wir nicht. Ich kann 1000 Dinge nicht. Ihr alle könnt 1000 Dinge nicht. Aber das ist sehr müßig, die ganze Zeit darüber nachzudenken. Wollen wir darüber nachdenken? Ja, auf jeden Fall. 

Und das ist dann Tool Nummer 3. Tool Nummer 3: Effizienzoptimierung. In meinen Augen nicht der primäre Fokus eines Athletiktrainers. Primärer Fokus eines Physiotherapeuten zum Beispiel. Die Interaktion macht natürlich die Magie da aus. Aber absichtlich ist es für mich Tool Nummer 3, weil das, was er nicht kann, kommt weit, weit – wahrscheinlich wenn das hier Tool Nummer 1 ist und das hier Tool Nummer 2, kommt Tool Nummer 3, also das, was er nicht kann, hier. Der Fokus auf jeden Fall bei dem, was er kann. 

Das Vierte: Kommunikation. Tool Nummer 4: Kommunikation zwischen Arzt, Physiotherapeut und Coach. Und da ist eine Sache ganz im Vordergrund und das ist dieses Konzept Empathie und: Wo liegt die Verantwortung für diesen Menschen? Wenn du als Trainier in einem Team bist, hast du eine bestimmte Verantwortung. Wenn bestimmte Dinge in dem Team nicht funktionieren, dann ziehe ich dich zur Verantwortung. Wenn du Athletiktrainer bist, dann ziehe ich dich zur Verantwortung. Als Sportdirektor oder als Investor oder auch als Freund eines Athletiktrainers ziehe ich dich zur Verantwortung, wenn die Spieler nicht fit sind, wenn die nicht sprinten können et cetera und nicht schnell sind, nicht ausdauernd. Dann sage ich: „Hey, Thilo, warum sind die Spieler nicht ausdauernd? Warum sind sie nicht schnell?“, das heißt, deinen Driver aus dem Umfeld generiert – dein Driver, deine Verantwortung liegt in dem Spektrum Richtung Performance. Du suchst also nach Dingen, die die Leistungsfähigkeit optimieren, und du gräbst jedes kleinste Detail aus, was möglicherweise die Leistungsfähigkeit optimiert. Jedes kleinste Detail. Die Risiken hast du im Hinterkopf, aber die sind nur im Hinterkopf. Ein Arzt auf der anderen Seite – und ich bin Mediziner. Ich habe die komplette Ausbildung durchlaufen und weiß, wie man aufwächst in diesem Umfeld Arzt. Ein Arzt hat ganz andere Verantwortungen. Ein Arzt hat primär juristische Verantwortungen, er hat gesellschaftliche Verantwortungen, die nichts mit dem Teil des Spektrums zu tun haben. Die haben nichts mit dem Spektrum Leistungsfähigkeit zu tun, sondern die haben mit dem Spektrum Risikovermeidung zu tun. Und wie so oft in der Synthese von verschiedenen Dingen, sind natürlich beide Enden des Spektrums wichtig. Aber wenn wir das verpassen, wenn der Arzt keine Empathie dafür hat, dass seinen Driver, das, was ihn in seinem Job hält, was ihm das Brot bezahlt, Performances ist – und wenn der Athletiktrainer kein Verständnis dafür hat, dass das, was ihm das Brot bezahlt – und jetzt mal negativ formuliert seinen Arsch rettet – ist Risikovermeidung. Dann streiten wir uns. Und da habe ich Beispiel mit dem Arzt der Kölner Haie. Heute können wir darüber lachen. Ich vor 6 Jahren mache Miniband-Training mit einem Athleten, weil ich sehe den Performance Benefit von dieser Art des Trainings in dem Moment. Er sieht das gleiche Training und sieht das potenzielle Risiko des Anpressdrucks der Kniescheibe auf das Knie von dem Athleten, der Knieprobleme hat. So, und dann haben wir diese Diskussion. Und beide haben recht. Beide haben recht. Er will absolut Risiko vermeiden – ich will alles tun, um Performance zu optimieren. Wenn wir dafür eine Verständnis bekommen, dann haben wir einen großen Schritt zur Kommunikation getan. Da ich beide Perspektiven kenne, kann ich – und es sind jetzt Athletiktrainer hier. Ich würde einem Arzt das Gegenteil empfehlen. Einem Arzt würde ich sagen, sie sollen mal bei euch reinschauen. Aber ich würde euch empfehlen, wenn ihr die Chance habt: Geht zum Teamarzt, am besten zu euerem Teamarzt oder zu irgendeinem Sportarzt, und sagt: „Hey, ich will mal die Fliege an der Wand sein für 2 Tage bei dir. Ich will alles, was du machst und erlebst, mitbekommen. Ich will sehen, wie du operierst. Ich will das aufsaugen, diese Atmosphäre, die Kommunikation in diesem OP-Saal, die Drücke, die dort herrschen. Die Schwestern – ich will erleben, wie die mit dir reden. Ich will erleben, wie dein Chefarzt mit dir redet. Die Drücke, die dort herrschen. Ich will das erleben. Ich will das aufsaugen. Ich will verstehen, warum, wenn du nach dem Feierabend zu uns in die Kabine kommst, warum – Nick hat viel über die Brille geredet, mit der wir die Welt sehen – ich will deine Welt verstehen. Ich will die Welt durch deine Brille sehen“, und genau das Gleiche würde ich auch einem Arzt empfehlen: „Geht zum Athletiktrainer und macht das Krafttraining mit. Kuckt, was ihn beschäftigt. Was treibt ihn?“, Leistungsoptimierung, das ist alles, worum es geht. Diese Empathie ist der absolute Schlüssel für die Kommunikation. 

Und dann, wenn wir das haben, sind wir auch in der Lage, zusammen, gemeinsam Protokolle zu entwickeln, die eine vernünftige, sinnvolle Balance haben zwischen Risikovermeidung und Leistungssteigerung. Dann können wir Protokolle entwickeln. Dann können wir anfangen, über Return to Game zu sprechen. Und hier ein einfaches Beispiel, was so im ersten Jahr der Umsetzung in einem Club im Bereich Return to Game von uns immer installiert wird: Ein einfaches Whiteboard. Welche Spieler haben wir? Oben rechts. Links: Welche Nachwuchsspieler haben wir als Reserve? Welche Spieler kommen noch in die Natio oder müssen wir für die Nationalmannschaft einplanen? Und dann hier unten mehrere Kategorien. Erste Kategorie: Questionable, also Fragezeichen. Der kann nicht am Wettkampf oder Spiel teilnehmen, wir wissen aber noch nicht warum. Konkret: Wir haben noch keine Diagnose. Dann schieben wir also diesen Whiteboardmarker in Questionable. Nächster Schritt: Arztdiagnose. Wenn wir die Diagnose haben, hier Dx, dann ist er in der Phase Hospital, also Krankenhaus, und dann gehen wir durch verschiedene Schritte, um den in Return to Life, Return to Game, Return to Training, Return to Sport, Return to Practice, Return to Competition, Return to Game zu bringen. Und wie wir das managen, dass wir da einen Überblick haben – es gibt viele Softwarelösungen dafür. Ich bin kein Fan von Softwarelösungen, weil Softwarelösungen – erstens ist die menschliche Lösung die Voraussetzung, damit eine Softwarelösung überhaupt was bringt. Und zweitens: In meinen Augen sind aktuelle Softwarelösungen noch nicht dynamisch genug, um auf die menschlichen Bedürfnisse einzugehen, deswegen haben wir das bis jetzt über Stift und Papier auch viel geregelt. Der Athlet, sobald er aus dem Krankenhaus in den Trainingsprozess wieder reinkommt, bekommt eine Karte. Das ist eine Faltkarte, DIN A5, mit seinem Namen und dass er freigegeben ist für Return to Game Training mit Unterschrift vom Arzt. Vorne drauf. Der Athlet hat diese Karte immer bei sich. Jede einzelne Stufe wird abgehakt. Return to Sport – der Reha-Therapeut. Ich will, dass er sein Ok gegeben hat. Genauso der Physiotherapeut. Return to Play, Physio und Performance Coach. Return to Competition, Physio und Performance Coach. Return to Game, Physio und Performance Coach mit dem Head Coach natürlich zusammen. I am ready to play – und das ist das Entscheidende – das muss der Athlet selber machen. Das entscheidet der Athlet selber. Bill Knowles hatte dieses geile Beispiel damals von der Kreuzband-Reha. Letzter Test Return to Play Kreuzband-Reha. Ich bin selber Kreuzband-Patient gewesen. Sein letzter Test war: Nimm dir eine Box, so eine Höhe, gehe auf einem Bein, springe runter. Wenn der Athlet das ohne zu zögern macht, dann ist er Ready to Play. Wenn er zögert, ist er noch nicht Ready to Play und deswegen ist der letzte Schritt – der kommt vom Athleten tief innen drinnen. Den muss er machen. I am ready to play. Wenn man das dann aufklappt, dann hat man die wichtigsten Dinge am Anfang, um überhaupt den Return Trainingsprozess beginnen zu können. Oben links Diagnose, oben rechts Prognose und Kontraindikationen. Was sagt der Arzt, was wir nicht tun sollten? Das ist das Konzept Risikovermeidung. Der sagt uns nicht, was wir tun sollten. Das ist nicht sein Business. Das ist nicht seine Verantwortung. Damit kennt er sich auch ganz ehrlich gesagt nicht aus. Aber er kennt sich sehr gut damit aus, was wir nicht tun sollten. Kontraindikation und dann let’s go. Was wurde gemacht? Weil Spieler rennen von Physio zu Reha-Trainer, dann waren sie beim Osteopathen, dann haben sie da noch was bekommen und da. Damit jeder einzelne in dieser Kette den Überblick hat. Datum. Wie ist mein Schmerz aktuell? Welche Maßnahme wurde gemacht? Wie belastend war das für mich als Spieler? Kann jeder Therapeut da reinkucken. Und hintendrauf noch mal als Überblick für uns, um schnell noch mal ein Check-up zu haben: Was sind die einzelnen Kriterien für verschiedene Arten von Verletzungen? Die letzte Phase, Return to Competition und Return to Game, da geht es auch darum, dass wir spezifisch auf dem Eis Schritte haben, die wir mit dem Coach, mit dem Head Coach zusammen entwickeln. Spezifische, vorgefertigte Drills. Die wollen wir schmerzfrei und ohne Probleme absolvieren können und dann sind wir ready. Und wenn der Spieler sich ready fühlt, let’s go. Also wie ihr seht: Da geht es nicht darum, dass irgendwas advanced ist und krasse Technologie und krasse Algorithmen, sondern es ist nützlich. Das ist sehr hilfreich. Das verbessert die Kommunikation innerhalb dieses Teams. 

Wir haben Protokolle entwickelt für Dinge, die wir immer wieder konfrontiert haben. Wir haben uns analysiert: Was sind die Dinge, die zu den häufigsten Ausfallzeiten führen? Das sind nicht immer nur Muskelverletzungen, sondern das sind Muskelverletzungen, ja, aber es sind Gehirnerschütterungen, das sind Dinge wie Erkältungen, Grippe, Durchfall und halt auch die Muskelverletzungen. Dann haben wir Protokolle. Was sind genau die Strategien, die wir nutzen zur Prävention, zum Management und zur Zurückführung bei diesen Situationen? In Zusammenarbeit mit den Medizinern, Zusammenarbeit mit der Wissenschaft die Dinge da rausgezogen. Hier eine kleine Anekdote daraus: Wir haben herausgefunden, dass wir das falsche Desinfektionsmittel benutzen. Ich weiß nicht, ob es bei euren Teams genauso ist. Im Eishockey ist zum Beispiel der Norovirus, eine Magen-Darm-Infektion, wo quasi die Hälfte des Teams auf den Pott verschwinden muss für ein paar Tage. Den haben wir überhaupt gar nicht adäquat behandeln können, weil wir alkoholbasierte Desinfektionsmittel benutzt haben, die gegen den Norovirus ziemlich ineffektiv sind. Und solche kleinen Details haben wir einfach zusammengefasst, dass wir die gleichen Fehler nicht noch mal machen. Dass wir den Fehler einmal machen, aber nicht ein 2., 3., 4., 5. mal. 

Also, warum ist dieses Ding so wichtig für mich und warum glaube ich, dass es auch wichtig ist für Leute, die damit konfrontiert sind, von Team zu Team zu wechseln, auf unterschiedliche Umfelder zu reagieren? Ja, ich glaube, das ist eine sehr flexible Blaupause. Ihr habt gesehen, ich habe über keine großen Details gesprochen, weil auch jedes Detail in jedem Team, in dem ich gearbeitet habe, immer anders aussah. Ich habe immer andere Lösungen. Diese letzten 30%, die waren immer frei von: „Lass uns eine gemeinsame Lösung finden. Hey, Sportdirektor, hier ist die generelle Idee, was wir brauchen, aber lass uns gemeinsam etwas entwickeln, was für dieses Umfeld hier passt“, da geht es um diese Blaupause. Es ist kein dogmatischer, fixer Plan, sondern es ist eine Blaupause. Qualitätssicherung, das ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor, dass wir uns jede Woche ankucken können: Wo stehen wir bei diesen einzelnen Dingen? Wo können wir was besser machen? Lass uns jeden einzelnen Schritt durchgehen. Wo stehen wir gerade bei Availability, Injury Report? Wo stehen wir da? Wo stehen wir da? Wo stehen wir da? Kommunikationskatalysator. Wunderbares Tool, um eine Kommunikation anzubahnen, um über etwas zu sprechen. Wer von euch den Film Moneyball gesehen hat und dachte, es geht in dem Film um Daten. Da geht es nicht um Daten. Da geht um Kommunikation in diesem Film. Kommunikation zwischen Leuten aus unterschiedlichen Welten. Einmal hast du einen Baseball Coach, der aus der intuitiven – das meine ich positiv – mehr Chaos geprägten, flexiblen Welt des Baseballs kommt, das Gefühl für den Sport hat. Und auf der anderen Seite hast du jemanden, der aus der puren Struktur kommt, sagt: „Ok, hier, Ratio. So geht das. So geht das. Tick, tick. Das ist die Seite hier“. Die Daten dazwischen waren nur die Möglichkeit, dass sie miteinander reden konnten. Das ist die Essenz des Films. Und das ist auch die Essenz von sowas. Das gibt uns also die Struktur für diese bessere Balance aus Chaos und Ordnung. 

Zusammenfassend haben wir also 2 große Sets von Tools. Wir haben einmal Tools für, wenn wir nicht wissen, was zu tun ist. Wir haben Tools für die Dunkelheit. Was brauchen wir in der Dunkelheit? Glaube. Wir brauchen Glaube an etwas, was uns wichtig ist. Menschliches Potenzial in dem Fall. Wir brauchen einen Glaube daran, wie wir da hinkommen. Über diese Balance. Darüber, dass jeder Mensch sein kann und sich entfalten kann in dieser Balance. Das sind die Tools for Chaos, wenn wir irgendwo nicht wissen, was zu tun ist. Darauf müssen wir uns zurückberufen. Dann gibt es aber auch Tools für Struktur, die uns Form geben, die aus der Energie eine Form schaffen, die uns als Blaupause dienen. Das sind die 15 Dinge. 

Es gab zu Zeiten der Industrialisierung in England eine große Textilfabrik. Und diese Textilfabrik, die war davon abhängig, dass die Dampfmaschine am Zentrum dieser Textilfabrik funktioniert und den ganzen Laden am Laufen gehalten hat. Das war alles für diese Fabrik. Der Fabrikinhaber, der jeden Tag zig 1000 Pfund Umsatz gemacht hat, war davon abhängig, dass dieses Ding funktioniert. Eines Tages ist die Dampfmaschine kaputt gegangen, also ruft der Textilfabriktyp den Experten für Dampfmaschinen an, sagt: „Hey, Shit, die Dampfmaschine ist ausgefallen, komm bitte so schnell und löse dieses Problem für mich“, er kommt also mit seinem Werkzeuggürtel, kommt an und schleicht um die Dampfmaschine rum, fühlt, hört, riecht und dann bleibt er an irgendeinem Punkt stehen, weil er das Gefühl hat: „Ja, ich glaube, ja, ja”, testet noch mal kurz, holt seinen kleinen Hammer raus. So richtig klein. Das ist eine Schraube. Haut da dreimal gezielt drauf. 1, 2, 3. Die Dampfmaschine läuft wieder. Der Fabrikbesitzer ist komplett happy und sagt: „Wow, krass, danke, dass du mir diese Lösung gegeben hast. Wie viel kriegst du?“, er so: „Ja, 150 Pfund“, „Was? 150 Pfund? Du warst nur 5 Minuten hier. Du hast doch nur dreimal mit dem Hammer draufgehauen“, „Ja, das Hammern hat auch nur 1 Pfund gekostet, aber das Finden der richtigen Stelle, zu wissen, welches Tool wo, das hat 149 Pfund gekostet“, und das liegt hier, Leute. Das ist unser Key Asset Nummer 1 als Coach. Als ich mit Uwe Krupp bei den Kölner Haien gearbeitet habe, hat er mir das gesagt: „Gerrit, am Ende des Tages kommen die wichtigsten Dinge von hier. Hier oben kann uns Struktur geben, aber als Coach müssen wir es fühlen“, und das sind die Tools für Struktur und Tools für die Dunkelheit. Danke. 

Robert:

Ja, Gerrit, erst mal: Super, vielen Dank für den Einblick, den du uns gegeben hast. Und ich denke, es wurde doch sehr klar, dass Training immer noch ein Prozess bleibt, ein Erziehungsprozess. Und da bist du eigentlich ganz im Geiste der traditionellen, auch deutschen Trainingslehre und deutschen Trainingswissenschaft, die Training ja immer als Erziehungsprozess gesehen hat. Und was mich mal interessieren –

Gerrit:

Wachstumsprozess würde ich sagen, ja.

Robert:

Oder sogar mehr als Wachstumsprozess. Was mich mal interessieren würde: Es wurde für mich so ein bisschen deutlich, dass es nicht nur darauf ankommt, was im Training passiert, sondern vielleicht auch mehr, was außerhalb des Trainings passiert.

Gerrit:

Ja, was zwischen dem Training. Schau, selbst wenn wir jetzt beide reden – das Wichtige ist auch nicht, das, was hier ist, und auch nicht das, was da ist. Das Wichtige ist, was zwischen uns ist. Das Game zwischen uns, das geht es darum, besser zu machen. Das Schöne hier dran ist nicht diese Wand und diese Wand und diese Wand und diese Wand, sondern der Raum dazwischen. Und genauso ist es auch bei diesen ganzen Sachen. Ich glaube, das, was zwischen den Zeilen passiert, das, was zwischen den Trainingseinheiten passiert, das, was zwischen den Sätzen, zwischen den Übungen, zwischen Menschen – dieses Game, dieses Game gilt es zu gewinnen und besser zu machen. Egal welches Spiel ich betrete, ich will dieses Spiel betreten und zum Ziel setzen – nicht du sollst es gewinnen oder ich – nein, lass und beide dafür arbeiten, dieses Spiel besser zu machen, dass dieses Spiel mehr Spaß macht. 

Robert:

Habt ihr noch Fragen an den Gerrit? Also ich hätte auf jeden Fall noch einige. Ich muss mich immer auf die wesentlichen oder einige beschränken. Wir haben gesehen, dass im modernen Leistungssport doch ein Prozess ist, wo mal halt nicht mehr den Coach hat, sondern einen Betreuerstab. Im Gegensatz zu früher war der Trainer, der Coach, der war gleichzeitig der Zeugwart, der Masseur, der Pressewart. Heute haben wir das, dass immer mehr Spezialisierungsprozesse stattfinden, immer mehr Spezialisten. Ich spinne jetzt mal so ein bisschen rum. Man hat gesehen, dass je mehr Leute im Prozess integriert sind, die Kommunikation oder sagen wir mal die Wahrscheinlichkeit für Misskommunikation oder Sand im Getriebe vielleicht höher ist. Könntest du dir eventuell vorstellen, dass ein Betreuerstab, der geschrumpft ist, vielleicht sogar zu mehr Performance führt, weil einfach weniger Reibungspunkte da sind für Kommunikation?

Gerrit:

Ich glaube, irgendwann gibt es ein Limit, wie groß ein Team sein kann. Man sagt in der Psychologie: 144 Menschen, das ist das, wie wir in der nächsten Enge miteinander kommunizieren können. Danach wird es zu groß. Ich glaube aber, dass wir bei Sportteams diesen Punkt noch nicht erreicht haben, und ich glaube, da ist das Problem nicht, wie viele oder wie wenige an Staff wir haben, sondern das, worum es geht, ist: Ob man das als Organisation mit vorgegebenen Rollen sieht oder ob man das als Organismus mit vorgegebenen Funktionen sieht. Es geht also nicht darum: Ich habe einen Athletiktrainer und ich habe einen Physio, sondern es geht darum: Wir haben gewisse Areale und gewisse Funktionen, die in einem Team abgedeckt werden müssen. Und vereinfacht können wir uns vorstellen: Ok, da haben wir schon mal 15 Areale. Ein Wort, was wir dafür auch nutzen, sind Key Performance Areas. Wenn ich mit einem Sport Director spreche: „Hey, aus meiner Perspektive – ich kann 15 Key Performance Areas nennen, wo ich weiß, die helfen uns, Spiele zu gewinnen“, es geht nicht darum, dass ich die abdecke. Darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass der oder der oder der Mensch die abdeckt. Es geht darum, dass wir als Team es schaffen, diese Areale abzudecken. Das heißt, weg von dem Denken Top-Down, Hierarchie, pure Struktur, Rolle mehr Organismus, Team und Funktionen, die abgedeckt werden müssen über die einzelnen Individuen, wo sich jeder einbringt, was er am besten kann. 

Robert:

Ja, schöne bildhafte Darstellung. Gefällt mir sehr gut. Genau wie vielleicht noch mal der Wolverine.

Gerrit:

Und da übrigens an Pierre Houben Shoutout. Pierre Houben hat den damals rausgehauen.

Robert:

Ok, cool. Fand ich unheimlich schön, weil du einfach die Spieler da abholst, wo sie sind, und komplexe Sachen mit ihren eigenen Worten erklärst. Und ich habe mich da so ein bisschen erinnert gefühlt wirklich an diesen Erziehungsprozess. Zu Erziehung zur Performance. Und da würde mich mal interessieren: Hast du dich eigentlich manchmal gefühlt wie so ein Ersatzvater? 

Gerrit:

Ich stoße mich ein bisschen – das ist Semantik. Ich stoße mich ein bisschen an dem Wort „Erziehung“, weil an Gras muss man nicht ziehen, dass es wächst. Und ich glaube auch, an einem Menschen muss man nicht ziehen, dass er wächst. Und ich glaube, es gilt, das Umfeld zu schaffen.

Robert:

Oder Entwicklung. Sagen wir mal Entwicklung. Helfen, sich selber zu dem zu entwickeln, was potenziell in ihnen steckt.

Gerrit:

Sagen wir mal so: Wenn die Aufgabe eines Vater auch ist, einem Mensch zu zeigen – wir haben ja über den Glauben gesprochen an das Potenzial. Manchmal hat man mit Athleten zu tun, die – ich sehe sein Potenzial, aber er selber sieht es vielleicht nicht – und wenn die Rolle eines Vater auch ist, einem Mensch zu zeigen, da ist Potenzial – nicht nur in dir, sondern in allen – und du hast das auch, ob du es glaubst oder nicht. Komm, wir machen ein paar Sachen und dann wirst du merken, dass du ein Potenzial hast und dein Morgen kann besser sein als dein Heute. Ja, das ist vielleicht auch die Aufgabe eines Vater. Ich sehe auf jeden Fall: Ein Teil meiner Funktion ist es auch, Menschen zu helfen, zu sehen, was in ihnen drinsteckt noch, ja.

Robert:

Ok, super, danke dir. Eurerseits noch irgendwelche zusätzlichen Fragen? Ich sehe, das ist nicht der Fall.

Gerrit:

Ich bin noch da, wenn ihr –

Robert:

Genau, Gerrit ist noch eine Weile da. Wir sind ja auch noch eine Weile da. Ich darf mich bei euch bedanken, dass ihr die 3 Tage mit uns zusammen erlebt habt. Es hat uns vom Team auch riesig Spaß gemacht, weil natürlich auch das gerade, was neben der Bühne passiert, unheimlich wichtig ist, der Austausch, und natürlich: Wir sind jetzt bei der fünften Athletikkonferenz und wir sehen natürlich immer wieder viele Gesichter. Auch später per E-Mail kriegen wir gute Tipps von euch, wie wir uns noch weiter verbessern oder entwickeln können. Und das ist natürlich auch ganz toll, weil was nicht nicht anstreben, ist immer mehr, mehr, mehr, sondern immer mehr Qualität, aber nicht vielleicht mehr Masse. Und das freut mich halt immer, dass wir das Gefühl langsam haben, zu so einer kleinen Familie auch zusammenzuwachsen, und man sich einfach freut, auch die Kollegen wieder mal zu sehen. Vielleicht ist es dann auch manchmal nur einmal da, weil man ja sehr beschäftigt ist im Verlaufe des Jahres. Deswegen das erst mal von uns an euch: Also noch mal recht herzlichen Dank. Ich darf noch mal 2 oder 3 organisatorische Hinweise am Ende loswerden. Erstens noch mal: Hier in der App – ihr könnt hier in der App auch den Vortrag und das Feedback zu Gerrits Vortrag geben und natürlich auch noch mal, was für uns auch besonders wichtig ist, das Feedback für die gesamte Konferenz, denn das nehmen wir sehr ernst. Wir wollen da natürlich auch drauf aufbauen, deswegen hier noch mal der Hinweis: In der App die Feedbacks für Gerrits Vortrag und noch mal die Konferenz insgesamt und natürlich freuen wir uns auch auf euch, euch nächstes Jahr wieder zu sehen. Die nächste Athletikkonferenz – das könnt ihr euch jetzt schon mal in den Kalender eintragen, wenn ihr mögt – wird stattfinden am 6., 7., 8. September. Immer wichtig. Wir haben ja auch dazugelernt, nicht immer alles auf den letzten Drücker zu machen, weil eure Kalender sind da natürlich auch voll. Deswegen hier noch mal der Hinweis, euch das schon mal vorzumerken. Ich denke, wir werden auch wieder einige gute Themen und Überraschungen für nächstes Jahr für euch bereithalten und würden uns freuen, wenn ihr nächstes Jahr vielleicht mit ein paar Leuten, die ihr noch kennt aus eurem Fachbereich, wiederkommt, sodass wir uns hier mit neuen Ideen und neuen Themen auch wiedersehen. Danke für euer Kommen und guten Heimweg. Bis nächstes mal. Dankeschön. 

Gerrit Keferstein, MD

Gerrit Keferstein is a Medical Doctor specialised in Performance & Functional Medicine. He is most known for his work on the optimisation of recovery and adaptation in elite athletes.

Tags : performanceathletiktrainingSportmedizinphysiotherapy

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